Kapstadt Teil 2

DRINK. EAT. DRINK. SLEEP. REPEAT.
(Trinken. Essen. Trinken. Schlafen. Wiederholen.)

tafelberg-aussicht

12 Tage in einer Stadt klingt langweilig, aber wer schon einmal in Kapstadt war, weiß das ist trotzdem noch zu kurz. Ich will hier leben.. Und wisst ihr was? Vielleicht mach ich das auch irgendwann..

“Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken.”
Johann Wolfgang von Goethe

Die 12 Tage verbringe ich in drei verschiedenen Hostels. Warum? Jeder Ort hat das Potential hammermäßig zu sein, erst recht mit einem coolem Hostel. Entscheidend sind die richtige Lage, die sozialen Faktoren wie Aufenthaltsraum, Küche, Abendprogramm und Tagesausflüge. Ich habe mittlerweile schon meine eigene Taktik entwickelt, die passenden Unterkünfte zu finden. In Kapstadt ist das “Atlantic Point” definitiv mein Highlight.

Ich lerne hier wahnsinnig tolle Leute kennen, mit denen ich den Tafelberg erklimme, durch Kapstadts Süden cruise, Südafrikas Weine ausgiebig teste und mich hemmungslos betrinke. 

An die Weine auf der Weintour kann ich mich zugegebenermaßen nur noch schwach erinnern, aber eins kann ich sagen: Es waren viele und Käse gab es auch. Ach und zwischendurch gab es auch noch eine Bier-Verkostung, die ich glücklicherweise in einer Schokoladen-Fabrik verbringen und mich von zartbitter, über Vollmilch mit Chili und Weißer Schokolade mit Himbeeren und Keks vollstopfen konnte.

So sieht ein perfekter Tag aus – für mich. Check!

Wer von euch mal nach Kapstadt will, dem kann ich nur empfehlen, nicht im Winter zu fahren – also deren Winter. Es ist arschkalt – zumindest wenn man nur Shorts, T-Shirts und Flip Flops dabei hat. Gut, dass es ein riiiiiesiges Einkaufszentrum gibt – direkt an der sogenannten “Waterfront” (Strandpromenade). Auf direkten Weg zum H&M – endlich was, wo ich mich auskenne – Schal und Mütze ergattert und der Vollständigkeit halber noch eine lange Hose und Jacke dazu. Und für verregnete Tage bietet die Waterfront auch noch ein Kino. Da wird’s dann auch gleich wärmer bei Baywatch mit Zac Afron ( für die ältere Leserschaft: David Hasselhoff des 21. Jahrhunderts).

Und weil Wandern bzw. Klettern einfach viel cooler ist als fahren (das Popkorn muss schließlich auch wieder abtrainiert werden), habe ich die Gondel zum Table Mountain nur von aussen gesehen und bin knappe zweieinhalb Stunden auf den berühmt berüchtigten Tafelberg gekraxelt. Den rosa bis violett gefärbten Ausblick auf den Himmel über Kapstadt gibt’s dann auf dem Weg nach unten.

Warum der Tafelberg eigentlich Tafelberg heißt, verstehe ich auch nicht so wirklich – wo doch die deutsche Übersetzung Tisch-Berg wäre…

Als abschließendes Highlight meines Kapstadt-Aufenthaltes mache ich dank Chloé, die hier ein Mietauto hat, noch eine private Peninsula-Tagestour. Hier komme ich in Berührung mit Seelöwen, Pinguinen, Sträußen (also dem Tier), Affen und was sonst noch so frei umher läuft. Dabei darf das Kapp der guten Hoffnung natürlich auch nicht fehlen, wobei hier nicht viel mehr als das Schild zu sehen ist. Nachdem wir vor Hunger fast über die Pinguine herfallen (nein, natürlich nicht) gönnen wir uns alle noch ein delikates Mittagessen, bevor es auch schon wieder dunkel wird…

“I don’t care where we are going, but I prefer lunch before dinner… “
Mir ist egal, wo wir hingehen, aber ich bevorzuge das Mittagessen vor dem Abendessen.
(Zitat Chloé, New Jersey, USA)

 

Kaaaaaapstaaaaaaadt!!!

Welcome

…WELCOME TO THE MOTHER CITY…

Rein in in den Luxus-Flieger  (By the way Qatar Airways kann ich absolut empfehlen und ist ganz oben auf meiner Liste, direkt nach Emirates. Ich habe ganz vergessen zu Schlafen bei der riesigen Filmauswahl) und ab auf den nächsten Kontinent! Nach insgesamt 24 Stunden begrüßt mich auch schon die “mother city“ (Mutterstadt) Cape Town (Kapstadt)…

Nachdem ich meine ersten beiden Tage in Kapstadt Schlaf nachgeholt habe, begebe ich mich auf erste Erkundungstour. Uuuunnnnd schon nach den ersten 150 Metern fragt mich eine Gruppe junger Mädchen, ob sie ein Foto mit mir haben können… und ich dachte das hat endlich ein Ende… In Südafrika bin ich nun wirklich nix Besonderes. Hier geben sich alle Nationen die Hand. Was solls…

12 Tage verbringe ich in Kapstadt und ich könnte noch mindestens 12 Tage dranhängen.. Kapstadt ist einfach genial.

Man kann hier unendlich viel unternehmen, sehr gut essen, lernt super einfach Leute kennen, kann Feiern bis zum Umfallen und aufgrund der noch sehr jungen Geschichte dieser Stadt/ dieses Landes gibt es so viel zu Bestaunen.

Hier kannst du an sogenannten Free Walking Touren (basieren auf Trinkgeld/Spenden-Basis, haben ihren Ursprung passender Weise in Berlin und gibt es mittlerweile in vielen Metropolen der Welt, was ich später erfahre) teilnehmen. Ich habe gleich drei Verschiedene mitgemacht. Die erste war mein Favorit:

The Apartheid to Freedom Tour: Warum sieht man hier so viele gut aussehende Blondinen? Warum sitzen in den Cafés und Restaurants nur Weiße, während die Schwarzen bedienen? Das ist schon irgendwie strange (zu dt.: seltsam)… Wir leben schließlich im 21. Jahrhundert. Erst seit 1994 ist die Rassentrennung hier offiziell Geschichte, aber es ist noch ein langer Weg bis es auch tatsächlich Geschichte ist. In den Stadtzentren wohnen hauptsächlich die wohlhabenden “Weißen” und außerhalb in sogenannten Townships leben die “Schwarzen” in Blech- oder Holzhütten. Ich sollte an diese Bild von Indien gewöhnt sein, aber hier ist es irgendwie anders. In der “mother city” ist die Hautfarbe – also das Aussehen – ausschlaggebend.

“We all pee the same colour.”
(Zitat aus “Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen”. Den Film habe ich mir im Flieger auf dem Weg nach Südafrika angesehen, sehr zu empfehlen und das Zitat irgendwie treffend.)

Wo ist eigentlich Nepal?

…ZWISCHEN BERGEN UND SEEN, SONNE UND SCHNEE…

Nepal-Tag07-Schneespuren

1.3 Milliarden Menschen und 45 Grad im Schatten veranlassen mich zum kleinen Bruder zu fliegen. Ein Einheimischer hat Nepal mir gegenüber als Extension Indiens bezeichnet. Er arbeitet in der IT-Branche, was Einiges erklärt. Zugegeben, vor meiner Reise im Januar wusste ich nicht, wo Nepal eigentlich liegt… peinlich, aber Geografie war zu Schulzeiten nicht gerade innerhalb meines Interessengebietes…

Direkt am Flughafen in Kathmandu lerne ich einen Einheimischen kennen, der mir die wichtigsten Fakten über die Hauptstadt und das Land erzählt. Ich habe nur indische Rupien, was ihn dazu veranlasst, mir das Busticket zu bezahlen und dem Busfahrer zu erklären, wo er mich rauslassen soll. Oh mein Gott – schon am ersten Tag treffe ich so nette Menschen hier.

Die Extension gefällt mir jetzt schon besser als der große Bruder.

Kathmandu ist schmutzig, staubig und die Straßen die reinste Katastrophe. Vor zwei Jahren gab es hier ein heftiges Erdbeben und die Menschen sind immer noch dabei alles wieder aufzubauen. Trotz alledem gefällt es mir hier direkt auf den ersten Blick. Wie immer völlig unvorbereitet und unwissend stürze ich mich ins Abenteuer und fahre auf Empfehlung meiner Zimmergenossen nach Pokhara. Der Bus braucht für 200 Kilometer ganze 8 Stunden – unvorstellbar in Deutschland, oder? Die Straßen hier machen es möglich.. Die ersten zwei Stunden schlafe ich, die restlichen 6 Stunden schnattere ich ohne Punkt und Komma mit meinem Sitznachbarn – einem Tourismus-Studenten, der alle sechs Monate seine Familie auf dem Land besucht. Er erzählt mir, wie es ist, in Nepal aufzuwachsen und zu leben. Er hat große Visionen und möchte seinem Land, Familie und Freunden helfen, ein besseres Leben zu führen.

Ich bin wie ausgewechselt.

Nach dem Auf und Ab der letzten Wochen kann ich meine Reise endlich wieder vollends genießen. Pokhara ist der perfekte Ort, um runterzukommen. Apropos runter kommen. Hier gibt es den längsten und steilsten Zipflyer der Welt (Typische Marketing-Superlative), was mich dazu bewegt, diesen direkt auszuprobieren (Marketing-Opfer).

Außerdem gibt es einen Aussichtspunkt, der bei Sonnenaufgang besonders schön sein soll. Ich überrede meine neu gewonnenen Pokhara-Freunde und wir machen uns um zwei Uhr nachts auf den Weg nach Sarankot. Dank meines fehlenden Orientierungssinns wird es eine Abenteuer-Nachtwanderung der besonderen Art. Unsere Handys dienen als Taschenlampen und gegenseitig helfen wir uns durchs Gestrüpp. Eskortiert werden wir den gesamten Weg von einem Straßenhund, der spontan entscheidet uns den ganzen Weg zu begleiten – wir taufen ihn Leemee. Wir schaffen es nicht ganz bis nach Sarankot, was mich daran zweifeln lässt, ob es die richtige Idee ist, am nächsten Tag auf eine 10-Tages-Wandertour zu gehen…

 

Never try… never know…

Die Schuhe leihe ich aus, kaufe noch schnell eine dickere Jacke (Original North Face *Räusper*), eine Wasserflasche und einen “Geh-Stock”… Auf einen Schlafsack verzichte ich, es wird schon genug Decken geben. In der letzten Minute schlendere ich im strömenden Regen zur Touristeninformation, um mir meinen Bergpass und die notwendigen Genehmigungen zu holen. (Für den Fall, dass ich sterbe, haben sie meinen Notfallkontakt, meine Unterschrift, dass ich mir dessen bewusst bin, die Kosten für die Bergung zu tragen und wissen ungefähr, wo ich bin.) Auf dem Weg lerne ich wieder einen Einheimischen kennen, der mich fragt, ob er mit unter meinen Schirm kommen kann. Die 15 Minuten Fußweg waren ein wenig merkwürdig mit einem Fremden unter einem Schirm – aber es hat nunmal geschifft wie Sau und ich bin ja generell eine nette Person…

Auf geht’s! Der Berg ruft!

Lange Rede kurzer Sinn, entgegen jeden Reden, dass man uuuunbedingt einen Guide und einen Gepäckträger (eine Person, nicht zu verwechseln mit dem auf dem Fahrrad) braucht, nehme ich meinen Rucksack und mache mich auf den Weg. Im Bus nach Nayapul, dem Start meiner Wanderung, treffe ich einen Italiener, eine Spanierin und eine Engländerin. Schwuppdiwupp habe ich Wanderfreunde für die nächsten drei Tage. Als Alleinreisender bist du niemals allein, es sei denn, du willst für dich sein. Auf dem Weg zum Poonhill dachte ich kurzzeitig ich muss sterben – 3.000 Stufen um 4 Uhr morgens – vor dem Frühstück! Aber es lohnt sich, die Aussicht ist der absolute Wahnsinn. Leider habe ich – wie auch immerdar passieren konnte – alle Fotos vom Poonhill verloren…

Nur, wo du zu Fuß warst, warst du wirklich…

An Tag 4 trennen sich die Wege meiner internationalen Truppe, da die anderen den Rückweg antreten und ich mich auf zum Annapurna Base Camp mache: 4.130 m – höher als die Zugspitze (2.962 m). Der Annapurna selbst ist übrigens der zehnthöchste Berg der Welt und über 8.000 Meter hoch. Warum ich nicht zum Mount Everest Basecamp gewandert bin? Er ist auch „nur“ 800 Meter höher und der Trek ist um Einiges länger und teurer… Und außerdem muss ich mir noch ein Ziel für das nächste Mal aufheben.

Wer will mich begleiten? Freiwillige vor…

Es ist die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe. Die Wanderung ist mein absolutes Highlight. Ich bin nun wirklich nicht vorbereitet, geschweige denn fit. Aber meiner Meinung nach ist Trekking eher Kopfsache als Fitness. Auf dem Weg zum ABC begegne ich immer wieder den gleichen Leuten – wir werden zu einer kleinen Familie, laufen, schwitzen, frieren, essen, spielen Karten zusammen. Einige haben einen Guide und einen sogenannten Porter und Andere wiederum laufen wie ich auf eigene Faust durch die Prärie..

Essen, Wandern, Schlafen, Wiederholen…

Auf dem Rückweg lege ich noch einen Wellness-Tag ein. Tai Chi zum Sonnenaufgang und anschließend Relaxen in den Hotsprings – das habe ich mir verdient wie ich finde. Und das Beste – alles for free.

 

Facts & Figures:

Trek: Poonhill & Annapurna Basecamp ohne Guide und ohne Porter
Wander-Tage: 10
Stunden: 4 – 9 pro Tag
Schritte: 246.000
Kilometer: 157 km
Ausgaben pro Tag: etwa 15 € in der Low Season mit gutem Verhandlungsgeschick
Höchster Punkt: 4.130 Meter (Annapurna Basecamp (ABC))
Neue Bekanntschaften: 27
Verletzungen: Keine
Körperpflege: stark vernachlässigt
Verluste: Shorts und Regenjacke

Vielen Dank für dieses atemberaubende Erlebnis… Nepal ist ein absolutes Highlight meiner Reise. Die Luft, die Landschaft, die Berge, die Tiere und die Menschen, die ich auf meiner Reise durch die Berge getroffen habe. Ihr wart wie eine Familie für mich! Ein Abenteuer der Extraklasse! Ich komme wieder – definitiv! Nepal = Never end Peace and Love

Nächster Stopp: Kaaaaaaappstaaaaaadt!!!!

Eine kunterbunte Reise durch Indien…

…ZWISCHEN HEIMWEH UND FERNSUCHT…

Indien-Udaipur-Aussicht

Gestern noch Vietnam, heute schon Indien. Nach ein paar Stunden über und zwischen den Wolken strande ich 8 Uhr morgens in meinem neuen Hostel in Goa. Ein Großteil der Leute ist NOCH wach… völlig gechillt und im Paradies ihrer selbst. Nachdem ich mich vor jedem neuem Ort immer umfangreich belese, habe ich natürlich gewusst, dass Goa – im Speziellen Vagator Beach – für seine Drogenszene bekannt ist. Ähhh nope… In nur zwei Tagen lerne ich alles, was man über Drogen wissen muss (und ich rede nicht von Gras). Man könnte es als eine Studienreise bezeichnen *Räusper*…

“Goa hat mich gefixt…” 

“Heute habe ich noch nichts eingeworfen, erst morgen wieder. Ich bin nicht abhängig…” 

“Ich hatte einen Blackout und weiß nicht mehr, wie ich nach Hause gekommen bin, aber ich hatte einen geilen Trip..”

 

Von Goa nach Mumbai. Nachdem ich beschlossen habe, kein „Junkie“ zu werden, mache ich ein 20-stündiges Nickerchen im Sleeper-Bus nach Mumbai (alt: Bombay). Der Bus ist besser, als ich dachte, denn das Bett – eine etwa 60 cm breit und 180 cm lange Pritsche ist zwar hart, aber gemütlicher als die Schlafbusse in Südostasien. Allerdings gestaltet sich das Reisen mit dem Bus in Indien für mich recht einsam. Ich bin die einzige „Weiße“ und Englisch spricht hier kaum jemand. Die Frauen sind traditionell im Sari gekleidet und der Großteil meiner Mitreisenden sind Männer. Dazu kommt, dass immer ein bisschen Angst mitschwingt, sich mit Männern zu unterhalten oder ihnen auch nur in die Augen zu sehen. Ich verstecke mich, nur keine Aufmerksamkeit erregen mit meiner Anwesenheit, meinem offensichtlichen “fremd sein”. Die Weiße, die die Sprache nicht spricht, die reich ist, die ein anderes – besseres Leben hat. Glücklicherweise kann ich mein „Abteil“ mit einem Vorhang zuziehen und kann so meine Privatsphäre genießen. Es dauert nicht lange und ich falle ins Land der Träume. Ab und an rüttelt mich die schlagartige Vollbremsung des Busfahrers wach – vermutlich eine Kuh auf der Straße – ich schlafe wieder ein.

Dreieinhalb Monate Südostasien härten ab…

In Mumbai angekommen, werde ich regelrecht erschlagen von Dreck, Lärm und Hektik der Stadt. Die Straßen sind überseht mit pausenlos hupenden Autos, Bussen, Motorrädern, Tuktuks und Menschen, die zwischen all dem Towabu essen, arbeiten und schlafen. Wo man bei uns ein- oder zwei Obdachlose am Bahnhof sieht, sind es hier Tausende – einfach überall! Zwischen Müllbergen kaum zu erkennen, befinden sich Wohn- und Schlaf-„Zimmer“, Küchen und „Toiletten“. Straßenränder und Fußwege dienen als Lebensraum für Mumbais Unterschicht. Wobei sich mir hier die Frage stellt, ob das nicht schon die obere Unterschicht ist. Schließlich „wohnen“ sie inmitten der Großstadt und haben Zugang zu Geld und Nahrung – auch wenn vielleicht erbettelt oder gestohlen… Hinter den „Straßen-Slums“ befinden sich „Gebäude“ oder besser Container, die der nächsthöheren Schicht als Dach über dem Kopf dienen – etwa 20 Quadratmeter große „Ein-Zimmer-Apartments“ für eine ganze Familie. Darunter ist oftmals ein Shop oder Restaurant zu finden. Im Hintergrund entstehen prachtvolle Bürogebäude und Hochhäuser mit Luxuswohnungen. Ein Unterschied wie Tag und Nacht…

Ich fühle mich schlecht dabei, „Weiß“ zu sein und in einer ganz anderen Welt mit ganz anderen Möglichkeiten aufgewachsen zu sein. Es ist nicht fair. Hier zählt, wo du geboren bist: Auf der Straße oder im eher westlich entwickelten Umfeld. In den meisten Augen sehe ich Traurigkeit. Wie können die Menschen auch glücklich und ausgelassen sein, wenn sie umgeben sind von Pech, Armut und Ungerechtigkeit.

In meinem Hostel angekommen, gibt mir der Bohrmaschinen-Lärm des Nachbarkomplexes noch den Rest. Abschalten kann ich hier nur schwer, ebenso wie Brodie – Australierin, die meine neue Reisebegleiterin in Mumbai wird. Gemeinsam beschließen wir das Hostel am nächsten Morgen zu wechseln sowie am Morgen darauf. Zwischendrin lassen wir uns vom Zauber Indiens Filmbranche berieseln. Jeden Tag ein anderer Bollywood-Streifen, leider ohne Untertitel – aber was soll’s kitschige Romantik versteht man auch ohne Text. Als wir das erste Mal in einem von Mumbais zahlreichen Kinos sind, kriegen sich Brodie und ich vor Lachen nicht mehr ein. Nach der Werbung steht der komplette Saal auf und singt die Nationalhymne – wir stehen in der ersten Reihe ganz vorne und können uns kaum beherrschen. Stellt euch mal vor, das würden wir in Deutschland machen…

Meine Zeit in Mumbai besteht aus täglichen Kinobesuchen – jeden Tag ein anderer Film, MCD, Starbucks und shoppen in riesigen Shopping-Centern. Ich schaffe es gerade  mein Tagesbudget von 30 € einzuhalten, währenddessen der Durchschnitt Indiens 2 Monate damit auskommen muss…

In unserem dritten Hostel lernen wir einen Einheimischen kennen, der uns die versteckten Highlights der Stadt zeigt. Er studiert BWL, macht gerade ein Praktikum und führt ein vergleichsweise westliches Leben. Er zeigt uns, wie man Metro fährt, wie wir zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten kommen und was sonst noch zu beachten ist in der Stadt mit den zwei Gesichtern.

Trotz der zwei Gesichter hat Mumbai etwas Magisches für mich… 

 

Traumhafter Ausblick zum Teilen… Ich würde gerne noch in Mumbai bleiben, aber es zieht mich weiter. Nächster Halt ist Udaipur. Ich bin wieder einmal die einzigste Ausländerin im Bus und damit eine Art Attraktion. Langsam gewöhne ich mich daran, ständig angestarrt zu werden… Rausgeschmissen werde ich kurz vor Udaipur. Die Tuktuk-Fahrer reiben sich schon die Hände (wortwörtlich), als sie mich sehen. Nach reichlichen Diskussionen bezahle ich zumindest kein Vermögen für eine Fahrt von dreieinhalb Kilometern bis zu meinem Hostel. Die Stadt und das Zostel (eine stylische Hostel-Kette in Indien) sind traumhaft. Ich habe ein Vierbettzimmer für mich alleine und die Dachterrasse ist der absolute Hammer. Der einzige Haken: Ich bin fast der einzige Gast und fühle mich ein bisschen einsam. Deshalb beschließe ich nur eine Nacht zu bleiben.

 

Am nächsten Tag geht’s in die Hauptstadt. Ich freue mich schon tierisch. Die Busfahrt dauert um die 20 Stunden. Dieser Bus ist der Schäbigste, den ich je hatte – ok, auch der Günstigste… Es kann ja wieder nicht günstig genug sein. Ich bin die Erste und vorerst Einzigste im Bus. Der Busfahrer findet das besonders toll und geht direkt auf Tuchfühlung… Ich bin so freundlich abweisend wie ich nur kann – mein Spezialgebiet! Er gibt mir trotzdem seine Nummer – wofür auch immer… In der Pause führt er mich dann in eine dunkle Gasse, bis es mir zu viel wird. Er meint doch tatsächlich, dass ich mich in eine dreckige dunkle Ecke hocke… Ich sage in einem fast aggressiven Ton „Stopp“!!!! Raus aus der Gasse stößt ein zugegeben gut aussehender Typ dazu und beide zusammen begeben sich auf die Suche einer Toilette für mich. Und tadaaa – 20 Meter weiter befindet sich ein offizielles Loch im Boden – mit Tür! Beide warten vor der Tür auf mich und begleiten mich zurück zum Bus. Eine sogenannte Klo-Escorte…

Der Stargast ist fertig und es kann weiter gehen…

In der nächsten Pause werde ich wieder vom Busfahrer belagert: Wo kommst du her? Fliegst du von Neu Delhi wieder nach Hause? Bist du verheiratet? (das war vermutlich die erste Frage, die er stellen wollte)… Gott sei Dank habe ich mich schon in Vietnam darauf vorbereitet. Ich zeige ihm meinen Ehering, wobei er es mir scheinbar nicht abkauft – oder es ist ihm egal. Ich flüchte in den Bus und haue mich aufs Ohr. Scheinbar haben die Busfahrer nun gewechselt, da der Aufdringliche nun ungefragt alle zwei Stunden meine Schlafkabine öffnet und mir irgendetwas anbieten will… Ich bin froh, wenn ich endlich in New Delhi ankomme.

“Keep going! Difficult Roads often lead to beautiful destinations.” 

Brodie hat mir ein Top-Hostel empfohlen. Das Madpackers im Südosten New Delhis. Der Bus setzt mich mal wieder am Arsch der Welt ab. Ich sehe es gar nicht ein für ein Taxi zu bezahlen. Ich rufe maps.me (Die App, die mir das Reisen wahnsinnig vereinfacht!) auf und mache mich mit Sack und Pack auf dem Weg zum Hauptbahnhof. 45 Minuten durch das Bahnhofsviertel ist ein neuer Kulturschock. Ich sehe ausschließlich Männer, die sich auf den Straßen waschen, umziehen, essen, arbeiten und mich anstarren, ansprechen und ansonsten nicht wirklich viel zu tun zu haben scheinen. Ich bin mal wieder Hauptmittelpunkt der Einheimischen. Zeitgleich sehe ich Senioren, die riesige Wägen mit Reis & Co hinter sich herziehen.

Ich fühle mich 50 Jahre zurückversetzt… 

Die richtige Metro habe ich schnell gefunden, quetsche mich in den Ladies Coach (in Indien gibt es Abteile nur für Frauen – Gott sei Dank, denn diese sind meistens nur halb so voll). Durchgeschwitzt und völlig fertig bin ich gegen 9 Uhr morgens im Hostel angekommen. 14 Uhr kann ich dann auch endlich einchecken und lege mich aufs Ohr.

Das Hostel ist der absolute Wahnsinn – so viele interessante Menschen hier – Personal wie auch Reisende. Jeder Tag ist ein Erlebnis und Indien wird für mich gleich viel schöner. 45 Grad Außentemperatur machen es allerdings fast unmöglich tagsüber vor die Tür zu gehen. Und nachts ist es zu gefährlich.  Daher bleibt mir nichts anderes übrig. Ich stelle mir vor, ich bin in einer Sauna und lass es einfach laufen…

Nach zwei Wochen wird es mir dann aber doch zu heiß und ich flüchte zum kleinen Bruder: Nepal..

Vietnam…

Sapa

… EIN ABENTEUER AUF ZWEI RÄDERN…

Nachdem ich zeitlich mit dem Bloggen hinterher hänge, fasse ich den Monat in Vietnam hier kurz zusammen.. (auch wenn ich Tausende einzelne Stories erzählen könnte – ganze Romane könnte ich schreiben.. ).

Mit dem Bus geht’s Ende März von Laos nach Vietnam! Die 24 Stunden vergehen wie im Flug, lustige Begegnungen, eine Lichtershow vom Feinsten und laute Partymusik in vietnamesisch oder laotisch… keine Ahnung! Alleine das ist ein Abenteuer für sich!

Endstation ist im Norden, in der Hauptstadt. Hanoi ist eine meiner Lieblingsstädte Vietnams. Der Verkehr ist wild, die Cafés einzigartig und das Nachtleben vielseitig. Ich liebe es durch die Straßen zu schlendern und immer wieder neue Ecken zu entdecken. Und weil’s so schön ist, verschlägt es mich gleich zweimal in die Hauptstadt. Ich könnte mir tatsächlich vorstellen, hier zu leben. Viele Native Speaker unterrichten hier Englisch. Gesucht wird wie verrückt. Wenn ich meine Englisch perfektioniert habe.. wer weiß… vielleicht komme ich hierher zurück…

Zwischenzeitlich mache ich dann aber einen Abstecher nach Sapa in die Berge. Das kleine Örtchen ist wunderschön – allerdings ist es arschkalt (für meine verwöhnten Verhältnisse der letzten zweieinhalb Monate), es regnet jeden Tag und ich ziehe vermutlich eine Stinkwolke hinter mir her, weil ich jeden Tag die gleichen Sachen anhabe (habe ja nicht so viel Warmes dabei)…

 

Bei meinem zweiten Besuch in Hanoi beschließe ich kurzer Hand mir ein Motorrad zu kaufen und gen Süden zu düsen. Wie man Motorrad fährt? Keine Ahnung – vom Führerschein ganz abgesehen. Frei nach dem Motto: Learning by Doing! Schließlich bin ich mittlerweile Profi auf dem Moped und im Auto sowieso – so schwer kann das ja nicht sein…

Am 2. April geht’s dann auch endlich los und ich rase auf dem Ho Chi Minh Trail, Highways (nicht zu vergleichen mit deutschen Autobahnen – Geschwindigkeitslimit! Tzzz) nach Saigon (der alte Name Ho Chi Minhs)! Meinem deutschen Rennfahrer-Image werde ich auch hier gerecht – volle Kraft voraus! Diamond und ich werden schon bei der turbulenten Fahrt durch Hanoi beste Freunde. Wir verbringen etwa 2.000 Kilometer und drei Wochen jeden Tag zusammen.

Start: Hanoi

 

Station 2: Ninh Binh
Traumhafte Landschaft zwischen Felsen und unberührter Natur

 

Station 3: Phong Nha
Und zwei Zwischenstopps in Nationalparks, Irgendwo im nirgendwo

 

Station 4: Hué
Servicestopp für Diamond, Streetfood und ein verlassener Wasserpark

 

Station 5: Hoi An – mein Favorit
Zig Cafés und Shops, Tausende Lampions und herrliche Strände (mit dem Bus geht’s nach Nha Trang, die Motorräder landen im Gepäckraum – sowas gibt’s auch nur in Asien)

 

Station 6: Nha Trang
Strand inmitten des Touristentrubels, schnell wieder weg

Nha-Trang-Dachterrasse

 

Station 7: Dalat
Hier gibt’s was für meine Abenteuerlust: Canyoning und eine Labyrinth-Bar und am Abend heißt’s zurücklehnen im Kino für nur 2 Euro pro Person

 

Station 8: Mui Né
Hier haben mich die Sandfliegen am Strand erwischt, juckt auch drei Wochen später noch.. *kratz kratz*

 

Endstation: Ho Chi Minh City
Big City Life und Ausflug ins Mekong Delta

In Ho Chi Minh City heißt es dann leider wieder Abschied nehmen – für mich der schwerste Abschied meiner Reise bisher. Diamond flitzt nun mit einem Niederländer von Süd nach Nord!

Alles Gute and shine bright like a Diamond…

Laos – unbekanntes Land zwischen China, Vietnam, Kambodscha, Thailand und Myanmar

…Berge ohne Schnee und Hitze ohne Strand…

Laos stand nun so gar nicht auf meinem Plan. Und um ehrlich zu sein, wusste ich bis vor Kurzem nicht einmal, wo Laos liegt. Aber das ist genau das, was das Reisen so besonders macht – Spontane Planänderungen, neue Orte, Reisebekanntschaften und das Unvorhersehbare.

Die Natur in Laos ist atemberaubend – schwer, das in Bildern festzuhalten. Zugegeben, ich habe Laos unterschätzt. Es ist mehr wert als nur ein Land zwischen Thailand und Vietnam. Ich muss mich entscheiden – und das jeden Tag. Was gibt es zum Frühstück? Was schaue ich als Erstes an? Wie komme ich dahin? Welches Restaurant ist am Besten? Party oder Chillen am Abend? Wo geht es als Nächstes hin?

Viel habe ich nicht gesehen, nur ein paar Örtchen im Norden. Mit dem Slowboat lande ich in Luang Prabang, wo ich drei Nächte bleibe. Anschließend geht’s nacht Vang Vieng für ebenfalls drei Nächte und aufgrund meiner nichtvorhandenen Vorbereitung mache ich noch einen Abstecher in die Hauptstadt Vientiane, um mein Visum für Vietnam zu beantragen.

Das Highlight meiner Reise durch Laos war neben dem Slowboot definitiv die Wanderung bzw. das Klettern (in Flipflops) auf einen Aussichtspunkt – keine Wegbeschreibung, mitten im Jungle, niemand hier außer ich und Jesse, meine Reisebegleitung…

…You never never know if you never never go…

 

Mit dem Boot reist sichs lauter

…UND FLIEGEN IST WAS FÜR ANFÄNGER…

Laos

Nach 2 Monaten Thailand geht’s nun mit einem lachenden und weinenden Auge ins nächste Land: Laos! Das stand zwar nicht auf dem ursprünglichen Plan – aber schließlich beginnen Abenteuer dort, wo Pläne enden (@Chicks – das Armband nehme ich nie wieder ab – ich werde mir diesen Spruch noch auf den Arsch tätowieren lassen 😂)

Mittels 30 US Dollar (entspricht etwa 30 €) erkaufe ich mir die Einreise nach Laos. Ich schwinge mich und mein Gepäck auf das Slowboat und über den Mekong, der anfangs die Grenze zwischen Thailand und Laos bildet und später in das Landesinnere führt. Tag 1 meiner Reise endet nach sechs Stunden Bootsfahrt in Prabeng. Viel passiert hier nicht mehr, Hotel suchen (Dank meines exzellenten Orientierungssinns wird aus einem 5 Minuten Fußweg, eine halbe Stunde – ich hab ausversehen nach dem falschen Hotel gesucht (das ist erst im nächsten Ort an Tag 2) – wenn man so oft das Bett wechselt, wie ich in den letzten Monaten, kann man schon einmal durcheinander kommen), Abendessen und ins Bett. Morgen geht’s früh raus…

Gääähhhhnnnnn – Am zweiten Tag komme ich erst kurz vor knapp aufs Boot und muss zur Strafe auf dem Boden sitzen – macht aber nichts – später gesellen sich auch Andere zu mir auf dem Boden – wir quatschen, trinken, essen, spielen Karten und vertreiben uns die Zeit. Nach und nach steigen immer mehr Einheimische ins Boot. Wir unterhalten uns mit Händen und Füßen.. Mit dabei ist auch ein Schwein (lebendig! – aber sicher nicht mehr lange…uuppsss… sorry an die Vegetarier), ganz viel Reis und eine Menge anderer interessanter Sachen, die man so von A nach B schleppen kann..

„Eine Bootsfahrt, die ist lustig, eine Bootsfahrt, die ist schön“