Wo ist eigentlich Nepal?

…ZWISCHEN BERGEN UND SEEN, SONNE UND SCHNEE…

Nepal-Tag07-Schneespuren

1.3 Milliarden Menschen und 45 Grad im Schatten veranlassen mich zum kleinen Bruder zu fliegen. Ein Einheimischer hat Nepal mir gegenüber als Extension Indiens bezeichnet. Er arbeitet in der IT-Branche, was Einiges erklärt. Zugegeben, vor meiner Reise im Januar wusste ich nicht, wo Nepal eigentlich liegt… peinlich, aber Geografie war zu Schulzeiten nicht gerade innerhalb meines Interessengebietes…

Direkt am Flughafen in Kathmandu lerne ich einen Einheimischen kennen, der mir die wichtigsten Fakten über die Hauptstadt und das Land erzählt. Ich habe nur indische Rupien, was ihn dazu veranlasst, mir das Busticket zu bezahlen und dem Busfahrer zu erklären, wo er mich rauslassen soll. Oh mein Gott – schon am ersten Tag treffe ich so nette Menschen hier.

Die Extension gefällt mir jetzt schon besser als der große Bruder.

Kathmandu ist schmutzig, staubig und die Straßen die reinste Katastrophe. Vor zwei Jahren gab es hier ein heftiges Erdbeben und die Menschen sind immer noch dabei alles wieder aufzubauen. Trotz alledem gefällt es mir hier direkt auf den ersten Blick. Wie immer völlig unvorbereitet und unwissend stürze ich mich ins Abenteuer und fahre auf Empfehlung meiner Zimmergenossen nach Pokhara. Der Bus braucht für 200 Kilometer ganze 8 Stunden – unvorstellbar in Deutschland, oder? Die Straßen hier machen es möglich.. Die ersten zwei Stunden schlafe ich, die restlichen 6 Stunden schnattere ich ohne Punkt und Komma mit meinem Sitznachbarn – einem Tourismus-Studenten, der alle sechs Monate seine Familie auf dem Land besucht. Er erzählt mir, wie es ist, in Nepal aufzuwachsen und zu leben. Er hat große Visionen und möchte seinem Land, Familie und Freunden helfen, ein besseres Leben zu führen.

Ich bin wie ausgewechselt.

Nach dem Auf und Ab der letzten Wochen kann ich meine Reise endlich wieder vollends genießen. Pokhara ist der perfekte Ort, um runterzukommen. Apropos runter kommen. Hier gibt es den längsten und steilsten Zipflyer der Welt (Typische Marketing-Superlative), was mich dazu bewegt, diesen direkt auszuprobieren (Marketing-Opfer).

Außerdem gibt es einen Aussichtspunkt, der bei Sonnenaufgang besonders schön sein soll. Ich überrede meine neu gewonnenen Pokhara-Freunde und wir machen uns um zwei Uhr nachts auf den Weg nach Sarankot. Dank meines fehlenden Orientierungssinns wird es eine Abenteuer-Nachtwanderung der besonderen Art. Unsere Handys dienen als Taschenlampen und gegenseitig helfen wir uns durchs Gestrüpp. Eskortiert werden wir den gesamten Weg von einem Straßenhund, der spontan entscheidet uns den ganzen Weg zu begleiten – wir taufen ihn Leemee. Wir schaffen es nicht ganz bis nach Sarankot, was mich daran zweifeln lässt, ob es die richtige Idee ist, am nächsten Tag auf eine 10-Tages-Wandertour zu gehen…

 

Never try… never know…

Die Schuhe leihe ich aus, kaufe noch schnell eine dickere Jacke (Original North Face *Räusper*), eine Wasserflasche und einen “Geh-Stock”… Auf einen Schlafsack verzichte ich, es wird schon genug Decken geben. In der letzten Minute schlendere ich im strömenden Regen zur Touristeninformation, um mir meinen Bergpass und die notwendigen Genehmigungen zu holen. (Für den Fall, dass ich sterbe, haben sie meinen Notfallkontakt, meine Unterschrift, dass ich mir dessen bewusst bin, die Kosten für die Bergung zu tragen und wissen ungefähr, wo ich bin.) Auf dem Weg lerne ich wieder einen Einheimischen kennen, der mich fragt, ob er mit unter meinen Schirm kommen kann. Die 15 Minuten Fußweg waren ein wenig merkwürdig mit einem Fremden unter einem Schirm – aber es hat nunmal geschifft wie Sau und ich bin ja generell eine nette Person…

Auf geht’s! Der Berg ruft!

Lange Rede kurzer Sinn, entgegen jeden Reden, dass man uuuunbedingt einen Guide und einen Gepäckträger (eine Person, nicht zu verwechseln mit dem auf dem Fahrrad) braucht, nehme ich meinen Rucksack und mache mich auf den Weg. Im Bus nach Nayapul, dem Start meiner Wanderung, treffe ich einen Italiener, eine Spanierin und eine Engländerin. Schwuppdiwupp habe ich Wanderfreunde für die nächsten drei Tage. Als Alleinreisender bist du niemals allein, es sei denn, du willst für dich sein. Auf dem Weg zum Poonhill dachte ich kurzzeitig ich muss sterben – 3.000 Stufen um 4 Uhr morgens – vor dem Frühstück! Aber es lohnt sich, die Aussicht ist der absolute Wahnsinn. Leider habe ich – wie auch immerdar passieren konnte – alle Fotos vom Poonhill verloren…

Nur, wo du zu Fuß warst, warst du wirklich…

An Tag 4 trennen sich die Wege meiner internationalen Truppe, da die anderen den Rückweg antreten und ich mich auf zum Annapurna Base Camp mache: 4.130 m – höher als die Zugspitze (2.962 m). Der Annapurna selbst ist übrigens der zehnthöchste Berg der Welt und über 8.000 Meter hoch. Warum ich nicht zum Mount Everest Basecamp gewandert bin? Er ist auch „nur“ 800 Meter höher und der Trek ist um Einiges länger und teurer… Und außerdem muss ich mir noch ein Ziel für das nächste Mal aufheben.

Wer will mich begleiten? Freiwillige vor…

Es ist die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe. Die Wanderung ist mein absolutes Highlight. Ich bin nun wirklich nicht vorbereitet, geschweige denn fit. Aber meiner Meinung nach ist Trekking eher Kopfsache als Fitness. Auf dem Weg zum ABC begegne ich immer wieder den gleichen Leuten – wir werden zu einer kleinen Familie, laufen, schwitzen, frieren, essen, spielen Karten zusammen. Einige haben einen Guide und einen sogenannten Porter und Andere wiederum laufen wie ich auf eigene Faust durch die Prärie..

Essen, Wandern, Schlafen, Wiederholen…

Auf dem Rückweg lege ich noch einen Wellness-Tag ein. Tai Chi zum Sonnenaufgang und anschließend Relaxen in den Hotsprings – das habe ich mir verdient wie ich finde. Und das Beste – alles for free.

 

Facts & Figures:

Trek: Poonhill & Annapurna Basecamp ohne Guide und ohne Porter
Wander-Tage: 10
Stunden: 4 – 9 pro Tag
Schritte: 246.000
Kilometer: 157 km
Ausgaben pro Tag: etwa 15 € in der Low Season mit gutem Verhandlungsgeschick
Höchster Punkt: 4.130 Meter (Annapurna Basecamp (ABC))
Neue Bekanntschaften: 27
Verletzungen: Keine
Körperpflege: stark vernachlässigt
Verluste: Shorts und Regenjacke

Vielen Dank für dieses atemberaubende Erlebnis… Nepal ist ein absolutes Highlight meiner Reise. Die Luft, die Landschaft, die Berge, die Tiere und die Menschen, die ich auf meiner Reise durch die Berge getroffen habe. Ihr wart wie eine Familie für mich! Ein Abenteuer der Extraklasse! Ich komme wieder – definitiv! Nepal = Never end Peace and Love

Nächster Stopp: Kaaaaaaappstaaaaaadt!!!!

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