Ich wär so gerne Millionär

…Wie hieß das nochmal? A-R-B-E-I-T?

Nach acht Monaten ohne Verpflichtungen, bin ich dann doch froh, wieder eine Aufgabe zu haben – oder mit anderen Worten: Ich bin pleite und brauche dringend Kohle!

Ganz so einfach, wie ich mir das dachte, ist es leider nicht, einen Job zu finden – vielleicht stelle ich mich aber auch einfach nur zu blöd an…

Im Pub ums Eck suchen sie Barpersonal. Das kann ja nicht so schwer sein… Nach zwei Tagen Probearbeiten, bekomme ich eine Abfuhr. Der Grund: Ich bin nicht gesprächig genug! Um ehrlich zu sein, weiß ich auch nicht, was ich mit wildfremden alten Knackern bereden soll, während ich ihnen ein Bier zapfe. Ich bin froh, dass ich überhaupt verstehe, was sie bestellen wollen und dieses Ganze „How are you?“, „How are you doing?“ „How is it going?“ ist doch eh ein Scheiß! Wen interessiert schon wirklich wie es mir geht? Und was ich gerade mache, sieht er doch – ein Bier zapfen… Fazit: Hier suchen sie Quatschtanten, vorzugsweise Englisch Muttersprachler – da bin ich raus…

Ich wär so gerne Millionär, dann wär mein Konto niemals leer – millionenschwer… (Das wussten die Prinzen schon vor 25 Jahren)

Für mein nächstes Vorstellungsgespräch kaufe ich mir schnell noch ein paar schickere Schuhe, einen Blazer und ein helles Shirt – kann ja schlecht in Turnschuhen und Karo-Hemd in eine 4 Sterne Hotel gehen. Hier suchen sie ebenfalls Barpersonal. Das Gespräch erinnert mich direkt an mein letztes Bewerbungsgespräch in dem Dresdner Hotel… Die Tier-Frage stellen sie mir nicht, aber dafür andere skurrile Fragen. Nach einer Stunde komme ich mir vor, als hätte ich mich gerade für einen Manager-Posten beworben. Eine Woche später werde ich auch hier zum Probearbeiten eingeladen. Auch hier eine Abfuhr, ich müsste mehr mit den Gästen sprechen…

Zu diesem Zeitpunkt habe ich glücklicherweise schon einen Arbeitsvertrag unterschrieben. Mit meinem neuen Chef verstehe ich mich auf Anhieb, das Gespräch ist super locker und lustig – perfekt! Zwei Stunden später habe ich die Zusage und morgen gehts auch schon los! Ich war zwar zuvor schon in einem Casino (am Wörthersee in Österreich), habe während meines Studiums recht viel gepokert, habe Hangover gesehen aber ich habe noch nie um Geld gespielt und erst recht noch nicht in so einem Etablissement gearbeitet.

Es gibt immer ein erste Mal.

Ich arbeite hier hinter der Bar, direkt im Casino und im Restaurant. Es ist also recht abwechslungsreich… Wir haben diverse Events, wie eine Gay-Ski-Week (Schwulen- und Lesbenparty) mit Karaoke & Co., eine Comedy-Nacht mit prominenten Comedians, zeigen diverse Sportwettkämpfe, wie Boxen, Rugby, Fußball, Cricket, Autorennen, haben Charities & vieles mehr. Jeden Freitag kommt eine Runde älterer Businessman zum Mittagessen und Mittwochabend heißt es dann „Jingo“ aus jeder noch so versteckten Ecke (Bingo mit Musikausschnitten). Wir sind immer um die 2 – 7 Leute in der Bar – es gibt also immer wem zum Quatschen… Ich arbeite vorrangig Nachschichten. Das heißt, ich fange 17 oder 18 Uhr an und gehe gegen 2 Uhr nach Hause – bzw. feiern in einen der vielen Clubs und Bars in Queenstown… Zwei Tage die Woche habe ich Frühschicht, d.h. ich fange schon um 11 Uhr an.

Mittlerweile texte ich auch jeden zu mit: „How are you?“ „How is it going?“ & Co. – hab mich dann doch schnell an den Smalltalk gewöhnt… Manche fangen dann an zu erzählen und Manche wollen einfach nur was trinken und/ oder essen…

Und was soll ich sagen, Mittwoch ist mein Lieblingstag: Geldtag!

Uniform-gay-week

 

 

Kapstadt Teil 2

DRINK. EAT. DRINK. SLEEP. REPEAT.
(Trinken. Essen. Trinken. Schlafen. Wiederholen.)

 

12 Tage in einer Stadt klingt langweilig, aber wer schon einmal in Kapstadt war, weiß das ist trotzdem noch zu kurz. Ich will hier leben.. Und wisst ihr was? Vielleicht mach ich das auch irgendwann..

“Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken.”
Johann Wolfgang von Goethe

Die 12 Tage verbringe ich in drei verschiedenen Hostels. Warum? Jeder Ort hat das Potential hammermäßig zu sein, erst recht mit einem coolem Hostel. Entscheidend sind die richtige Lage, die sozialen Faktoren wie Aufenthaltsraum, Küche, Abendprogramm und Tagesausflüge. Ich habe mittlerweile schon meine eigene Taktik entwickelt, die passenden Unterkünfte zu finden. In Kapstadt ist das “Atlantic Point” definitiv mein Highlight.

Ich lerne hier wahnsinnig tolle Leute kennen, mit denen ich den Tafelberg erklimme, durch Kapstadts Süden cruise, Südafrikas Weine ausgiebig teste und mich hemmungslos betrinke. 

An die Weine auf der Weintour kann ich mich zugegebenermaßen nur noch schwach erinnern, aber eins kann ich sagen: Es waren viele und Käse gab es auch. Ach und zwischendurch gab es auch noch eine Bier-Verkostung, die ich glücklicherweise in einer Schokoladen-Fabrik verbringen und mich von zartbitter, über Vollmilch mit Chili und Weißer Schokolade mit Himbeeren und Keks vollstopfen konnte.

So sieht ein perfekter Tag aus – für mich. Check!

Wer von euch mal nach Kapstadt will, dem kann ich nur empfehlen, nicht im Winter zu fahren – also deren Winter. Es ist arschkalt – zumindest wenn man nur Shorts, T-Shirts und Flip Flops dabei hat. Gut, dass es ein riiiiiesiges Einkaufszentrum gibt – direkt an der sogenannten “Waterfront” (Strandpromenade). Auf direkten Weg zum H&M – endlich was, wo ich mich auskenne – Schal und Mütze ergattert und der Vollständigkeit halber noch eine lange Hose und Jacke dazu. Und für verregnete Tage bietet die Waterfront auch noch ein Kino. Da wird’s dann auch gleich wärmer bei Baywatch mit Zac Afron ( für die ältere Leserschaft: David Hasselhoff des 21. Jahrhunderts).

Und weil Wandern bzw. Klettern einfach viel cooler ist als fahren (das Popkorn muss schließlich auch wieder abtrainiert werden), habe ich die Gondel zum Table Mountain nur von aussen gesehen und bin knappe zweieinhalb Stunden auf den berühmt berüchtigten Tafelberg gekraxelt. Den rosa bis violett gefärbten Ausblick auf den Himmel über Kapstadt gibt’s dann auf dem Weg nach unten.

Warum der Tafelberg eigentlich Tafelberg heißt, verstehe ich auch nicht so wirklich – wo doch die deutsche Übersetzung Tisch-Berg wäre…

Als abschließendes Highlight meines Kapstadt-Aufenthaltes mache ich dank Chloé, die hier ein Mietauto hat, noch eine private Peninsula-Tagestour. Hier komme ich in Berührung mit Seelöwen, Pinguinen, Sträußen (also dem Tier), Affen und was sonst noch so frei umher läuft. Dabei darf das Kapp der guten Hoffnung natürlich auch nicht fehlen, wobei hier nicht viel mehr als das Schild zu sehen ist. Nachdem wir vor Hunger fast über die Pinguine herfallen (nein, natürlich nicht) gönnen wir uns alle noch ein delikates Mittagessen, bevor es auch schon wieder dunkel wird…

“I don’t care where we are going, but I prefer lunch before dinner… “
Mir ist egal, wo wir hingehen, aber ich bevorzuge das Mittagessen vor dem Abendessen.
(Zitat Chloé, New Jersey, USA)