365 Tage…

9 LÄNDER, 25 STEMPEL UND UM DIE 365 INSTAGRAM-BILDER

Ich weiß gar nicht, ob ich “365 Tage schon” oder “erst” sagen soll… Die Tage vergehen wie im Flug und ich habe so viel erlebt, wie ich wahrscheinlich in meinem ganzen bisherigen Leben nicht erlebt habe.

Genau vor einem Jahr, am 17. Januar 2017 bin ich in Dresden am Flughafen gestartet. Ich habe mir geschworen beim Abschied nicht zu weinen. Und tatsächlich habe ich es bis zur Sicherheitskontrolle geschafft, ohne nur eine Träne zu vergießen.. Man, war ich stolz auf mich!!! Am Gate habe ich mir ein ruhiges Plätzchen gesucht und plötzlich sehe ich gegenüber meine Mu und meine Schwester hinter einer Glasscheibe stehen… Didimmmm…

IMG_3304.JPG#tränenmeer #endstation #neuseeland #lieblingsplatz #waswillichmeer #sunsetwatching

Aus Thailand, Malaysia, Indonesien, Neuseeland, Südafrika, Argentinien, Brazilien, Mexiko und Australien wurde (bis jetzt) Thailand, Laos,Vietnam, Indien, Nepal, Südafrika, Lesotho, wieder zurück nach Südafrika, Indonesien und Neuseeland.  Auch neun Länder, nur eben Andere… War ja klar, dass sich meine Route ändern wird – genauso wie die geplante Länge meiner Reise. “Weihnachten bin ich wieder zurück…”. Hatte ich gesagt, welches Jahr?!

DeFinItIV dIe bEsTe EnTscHeIduNG meINes LeBenS!!!

Ich wär so gerne Millionär

…Wie hieß das nochmal? A-R-B-E-I-T?

Nach acht Monaten ohne Verpflichtungen, bin ich dann doch froh, wieder eine Aufgabe zu haben – oder mit anderen Worten: Ich bin pleite und brauche dringend Kohle!

Ganz so einfach, wie ich mir das dachte, ist es leider nicht, einen Job zu finden – vielleicht stelle ich mich aber auch einfach nur zu blöd an…

Im Pub ums Eck suchen sie Barpersonal. Das kann ja nicht so schwer sein… Nach zwei Tagen Probearbeiten, bekomme ich eine Abfuhr. Der Grund: Ich bin nicht gesprächig genug! Um ehrlich zu sein, weiß ich auch nicht, was ich mit wildfremden alten Knackern bereden soll, während ich ihnen ein Bier zapfe. Ich bin froh, dass ich überhaupt verstehe, was sie bestellen wollen und dieses Ganze „How are you?“, „How are you doing?“ „How is it going?“ ist doch eh ein Scheiß! Wen interessiert schon wirklich wie es mir geht? Und was ich gerade mache, sieht er doch – ein Bier zapfen… Fazit: Hier suchen sie Quatschtanten, vorzugsweise Englisch Muttersprachler – da bin ich raus…

Ich wär so gerne Millionär, dann wär mein Konto niemals leer – millionenschwer… (Das wussten die Prinzen schon vor 25 Jahren)

Für mein nächstes Vorstellungsgespräch kaufe ich mir schnell noch ein paar schickere Schuhe, einen Blazer und ein helles Shirt – kann ja schlecht in Turnschuhen und Karo-Hemd in eine 4 Sterne Hotel gehen. Hier suchen sie ebenfalls Barpersonal. Das Gespräch erinnert mich direkt an mein letztes Bewerbungsgespräch in dem Dresdner Hotel… Die Tier-Frage stellen sie mir nicht, aber dafür andere skurrile Fragen. Nach einer Stunde komme ich mir vor, als hätte ich mich gerade für einen Manager-Posten beworben. Eine Woche später werde ich auch hier zum Probearbeiten eingeladen. Auch hier eine Abfuhr, ich müsste mehr mit den Gästen sprechen…

Zu diesem Zeitpunkt habe ich glücklicherweise schon einen Arbeitsvertrag unterschrieben. Mit meinem neuen Chef verstehe ich mich auf Anhieb, das Gespräch ist super locker und lustig – perfekt! Zwei Stunden später habe ich die Zusage und morgen gehts auch schon los! Ich war zwar zuvor schon in einem Casino (am Wörthersee in Österreich), habe während meines Studiums recht viel gepokert, habe Hangover gesehen aber ich habe noch nie um Geld gespielt und erst recht noch nicht in so einem Etablissement gearbeitet.

Es gibt immer ein erste Mal.

Ich arbeite hier hinter der Bar, direkt im Casino und im Restaurant. Es ist also recht abwechslungsreich… Wir haben diverse Events, wie eine Gay-Ski-Week (Schwulen- und Lesbenparty) mit Karaoke & Co., eine Comedy-Nacht mit prominenten Comedians, zeigen diverse Sportwettkämpfe, wie Boxen, Rugby, Fußball, Cricket, Autorennen, haben Charities & vieles mehr. Jeden Freitag kommt eine Runde älterer Businessman zum Mittagessen und Mittwochabend heißt es dann „Jingo“ aus jeder noch so versteckten Ecke (Bingo mit Musikausschnitten). Wir sind immer um die 2 – 7 Leute in der Bar – es gibt also immer wem zum Quatschen… Ich arbeite vorrangig Nachschichten. Das heißt, ich fange 17 oder 18 Uhr an und gehe gegen 2 Uhr nach Hause – bzw. feiern in einen der vielen Clubs und Bars in Queenstown… Zwei Tage die Woche habe ich Frühschicht, d.h. ich fange schon um 11 Uhr an.

Mittlerweile texte ich auch jeden zu mit: „How are you?“ „How is it going?“ & Co. – hab mich dann doch schnell an den Smalltalk gewöhnt… Manche fangen dann an zu erzählen und Manche wollen einfach nur was trinken und/ oder essen…

Und was soll ich sagen, Mittwoch ist mein Lieblingstag: Geldtag!

Uniform-gay-week

 

 

Indonesien

 

SÜDOSTASIEN, ICH BIN ZURÜCK…

Oh mein Gott, wie habe ich mich auf Sonne, Strand, Meer, Hitze, Verkehrschaos und gebratenen Reis gefreut.. Ich kann es kaum glauben, nach 24 Stunden on Tour, bin ich endlich da, wo ich hingehöre – für die nächsten zehn Tage. Aaaaaber erstmal schlafen…

Überglücklich, endlich wieder zu schwitzen, sprinte ich aus dem Bett und rein ins Getümmel. Ich habe keinen Plan, außer Chillen, runterkommen und Kraft tanken für den nächsten großen Meilenstein meiner Reise.

Urlaub vom Urlaub – das ist das Motto für die kommenden Tage!

Ganz schön schwer, will ich die Zeit hier doch auch nutzen… So reise ich doch ein bisschen mehr als zuerst geplant. Von Padangbai gehts direkt per Schnellboot nach Gili Air, eine kleine Insel nur einige Stunden von Bali entfernt. Die Reise mit dem Boot wie immer in Asien langwierig und nie nach Plan, aber ich bin relaxt und übe mich in Geduld.

Gili Air ist super süß, genau nach meinem Geschmack. Keine Autos, alles zu Fuß erreichbar und eine relaxte Atmosphäre überall. Trotz, dass es Hauptsaison ist, ist eigentlich kaum was los – super angenehm. Nachdem ich die Insel nun schon mehrfach umrundet habe wird’s dann auch wieder Zeit fürs Festland.

Bali, ich komme zurück…

…und direkt nach Canggu – hier wird gefeiert bis zum Morgengrauen! Und weiter nach Ubut. Hier gibt’s keinen Strand, da es im Landesinneren liegt, aber es regnet eh mehr als erhofft, viel brauner werde ich nun eh nicht mehr. Ubut ist super schön, ich spaziere ein bisschen umher, gehe essen und mache nicht wirklich viel außer eine Tour auf den Vulkan – so wie ursprünglich geplant. Das Wetter ist leider nicht so der Burner, sodass ich vom Vulkan selbst nicht viel zu sehen bekomme.

Aber Wurscht! In Neuseeland gibts schließlich auch Vulkane! Schnell buche ich noch die ersten zwei Nächte in Queenstown und rein in den Flieger…

 

 

P.S.: Noch eine „Typisch Sara“-Story zum Schluss: An meinem zweiten Strandtag gehe ich an den White-Sand-Beach. Weißer Strand, eine kleine Bucht, kaum Leute – wie in meinen besten Träumen! Ich reiße mir die Klamotten vom Leib und flitze ins Wasser! Die erste Welle erwischt mich gleich richtig: Mein Oberteil verlässt die zu bedeckenden Körperteile und mein Höschen füllt sich mit – ungelogen – einem Kilo Sand. Noch im Wasser, versuche ich schnell wieder alles zurechtzurücken – doch, auf eine Welle folgt die Nächste. Der Sand sammelt sich in den Inlets meines nicht wirklich hochwertigen Bikinis. Ich kann nichts machen außer alles festzuhalten und zurück an den zu Strand laufen. Zum Glück kennt mich hier niemand. Ich bedecke mich mit meinem Sarang (auf dem Handtuch liege ich ja) ziehe unauffällig alles aus, entferne den Sand und ziehe mich gerade rechtzeitig wieder an, bis sich ein Bekannter aus dem Hostel zu mir gesellt… Oh man… Stress pur, kann ich euch sagen!

 

 

Jooooziiiiiii my Loooveeee

 

…VON MAGIC MIKE, ÜBER EIN LEBEN AUF DER STRAßE BIS HIN ZU PANCAKES ERSTER SAHNE – JOHANNESBURG, MEINE CURIOCITY…

Der eigentliche Grund für die überschnelle Weiterreise ist, dass am Samstag eine Magic Mike Show in Johannesburg stattfindet. Ich sag nur Eins – es ist verdammt heiß! Besonders, weil ich etwas ungünstig sitze – erste Reihe und zweifaches Opfer auf der Bühne… Sorry, die Beweisfotos bleiben hinter verschlossen Türen… Selbstverständlich! Nicht jugendfrei!

 

Take it easy…

Ich hatte ein bisschen Angst, 10 Tage in Johannesburg könnten zu lang sein, aber Jozi hat verdammt viel zu bieten, vor allem an den Wochenenden. Mal sehen, ob ich noch zusammenbekomme, was ich alles gemacht habe:

Zuerst ein bisschen Geschichte im Apartheitmuseum – zugegeben, ich bin kein großer Fan von Museen – sagen wir mal so, es ist interessant…

Als nächstes eine Free Walkingtour durch die City – super interessant, um die Stadt verstehen zu lernen. Joburg hat viele nicht so schöne und auch gefährliche Ecken – der Hintergrund ist auch hier die Apartheid. Nach Ende dieser sind viele Leute und vor allem Firmen aus Sicherheitsgründen aus dem Stadtzentrum geflüchtet. Es ist unglaublich, wie viele Gebäude, vor allem Hochhäuser immer noch komplett leer stehen. Einige Viertel, wie zum Beispiel Braamsfontein hingegen sind bereits neu aufgebaut und sicherer.

Die 10 Tage in Joburg wohne ich im Hostel namens Curiocity, im Statdtviertel Maboneng (genannt: Ort des Lichts) – das ist ebenfalls ein neues Künstlerviertel – an jeder Ecke steht mind. ein Sicherheitsmann, was es möglich macht, auch nachts durch die (eine) Straße zu laufen, ohne Angst haben zu müssen. Hier gibt es kreative kleine Cafés, Restaurants, belebte Dachterrassen bei Nacht, Kunstgalerien, Designerläden, einfach alles was das Herz der geldhabenden Gesellschaft begehrt – hat schon irgendwie was von einer Stadt wie Berlin.

 

„Die Welt um uns ist so bunt und lebendig, wie wir sie machen.“

In Maboneng gibt es jedes Wochenende ein Markt-/ Straßenfest „Market on Main“. Hier verbringe ich beide Wochenenden. Es gibt Essen aus aller Welt – coole Straßenmusik (mit einem genialen Saxophonisten – ich schwelge in Erinnerungen), einen Salsa-Abend zum Sonnenuntergang, Klamotten, Accessoires (ich decke mich mit Armbändern, Ketten & Ringen für das ganze nächste Jahr ein), kreative Handarbeit, coole Sprüche, und inspirierende Leute. Hier könnte ich leben… Und ganz überraschend steht auf einmal ein Kameramann neben mir – vom ZDF! Haha, die Welt ist so klein.

(Wen es interessiert: Metropolen-Sommer in Johannesburg und Johannesburg 2.0. Ich bin leider – oder Gott sei Dank nicht zu sehen, aber dafür das Hostel, die Gegend & mehr) 

Ganz ums Eck ist auch gleich Johannesburgs Rugby-Stadion. Die Tickets sind spott billig – schwuppdiwupp, gekauft und im Stadion. Ich habe null Plan von Rugby, die anderen auch nicht wirklich. Am Ende des Spiels habe ich dank nervigen Rumfragen und Google dann auch verstanden, wie das Spiel funktioniert – bin jetzt Fan! Schließlich ist Rugby in Neuseeland auch eine große Sache.

 

„Bildung ist die Eintrittskarte für eine erfolgreiche Zukunft“

Soweto ist eine Townshipsiedlung 12 Kilometer von Johannesburgs Stadtzentrums. Ich habe lange überlegt, eine Tour dahin zu machen. In Kapstadt habe ich mich dagegen entschieden, weil ich die Bewohner nicht wie Affen im Zoo anstarren wollte. In Johannesburg lasse ich mich schließlich überreden. Wir besuchen eine Kita und laufen durch das naheliegende Township. Es ist krass zu sehen, wie die Bevölkerung hier lebt, aber sie scheinen glücklich und das Gute: Es geht voran, Johannesburg ist im Aufbruch und es ändert sich viel – auch wenn nur langsam. Alle sind guter Hoffnung.

Kurz vor meiner Abreise lasse ich mich schließlich auch äußerlich brandmarken.

 

Reisen verändert, Reisen bildet, Reisen ist Leben – für mich!

Auf Wiedersehen Johannesburg, auf Wiedersehen Südafrika – ich bin gespannt, wie du dich in den nächsten 10 Jahren veränderst…

Coffee Shack in Coffee Bay

 

…UND DAS, WO ICH DOCH GAR KEINEN KAFFEE TRINKE…

Warum der Ort eigentlich Coffee Bay heißt? Daran kann ich mich gar nicht mehr erinnern – aber scheiß drauf – es ist einfach MAGISCH hier…

Jeden Tag gibt es mehr zu entdecken. Ich erlebe so viel und doch bin ich tiefentspannt. Hier macht sich am meisten bemerkbar, wie wichtig die richtige Wahl der Unterkunft ist. Coffee Shack bietet jeden Tag eine andere Tour zum Schnäppchenpreis an. Es ist nicht touristisch, sondern individuell. Der Guide geht mir zwar schon ein bisschen auf die Nerven, aber ist doch ein ganz ein Lieber.. Nur wie hieß der noch mal…? Vicki, kannst du mir auf die Sprünge helfen?

Surfen, Wandern, Feuer machen und Toasts im Freien grillen, Einheimische zu Hause besuchen, in einer Original-Local-Hütte übernachten, am Abend zusammensitzen und aller 75MB ein neues Passwort holen… Das ist Südafrika für mich… unvergesslich schön…

 

Wo ist eigentlich Nepal?

…ZWISCHEN BERGEN UND SEEN, SONNE UND SCHNEE…

 

1.3 Milliarden Menschen und 45 Grad im Schatten veranlassen mich zum kleinen Bruder zu fliegen. Ein Einheimischer hat Nepal mir gegenüber als Extension Indiens bezeichnet. Er arbeitet in der IT-Branche, was Einiges erklärt. Zugegeben, vor meiner Reise im Januar wusste ich nicht, wo Nepal eigentlich liegt… peinlich, aber Geografie war zu Schulzeiten nicht gerade innerhalb meines Interessengebietes…

Direkt am Flughafen in Kathmandu lerne ich einen Einheimischen kennen, der mir die wichtigsten Fakten über die Hauptstadt und das Land erzählt. Ich habe nur indische Rupien, was ihn dazu veranlasst, mir das Busticket zu bezahlen und dem Busfahrer zu erklären, wo er mich rauslassen soll. Oh mein Gott – schon am ersten Tag treffe ich so nette Menschen hier.

Die Extension gefällt mir jetzt schon besser als der große Bruder.

Kathmandu ist schmutzig, staubig und die Straßen die reinste Katastrophe. Vor zwei Jahren gab es hier ein heftiges Erdbeben und die Menschen sind immer noch dabei alles wieder aufzubauen. Trotz alledem gefällt es mir hier direkt auf den ersten Blick. Wie immer völlig unvorbereitet und unwissend stürze ich mich ins Abenteuer und fahre auf Empfehlung meiner Zimmergenossen nach Pokhara. Der Bus braucht für 200 Kilometer ganze 8 Stunden – unvorstellbar in Deutschland, oder? Die Straßen hier machen es möglich.. Die ersten zwei Stunden schlafe ich, die restlichen 6 Stunden schnattere ich ohne Punkt und Komma mit meinem Sitznachbarn – einem Tourismus-Studenten, der alle sechs Monate seine Familie auf dem Land besucht. Er erzählt mir, wie es ist, in Nepal aufzuwachsen und zu leben. Er hat große Visionen und möchte seinem Land, Familie und Freunden helfen, ein besseres Leben zu führen.

Ich bin wie ausgewechselt.

Nach dem Auf und Ab der letzten Wochen kann ich meine Reise endlich wieder vollends genießen. Pokhara ist der perfekte Ort, um runterzukommen. Apropos runter kommen. Hier gibt es den längsten und steilsten Zipflyer der Welt (Typische Marketing-Superlative), was mich dazu bewegt, diesen direkt auszuprobieren (Marketing-Opfer).

Außerdem gibt es einen Aussichtspunkt, der bei Sonnenaufgang besonders schön sein soll. Ich überrede meine neu gewonnenen Pokhara-Freunde und wir machen uns um zwei Uhr nachts auf den Weg nach Sarankot. Dank meines fehlenden Orientierungssinns wird es eine Abenteuer-Nachtwanderung der besonderen Art. Unsere Handys dienen als Taschenlampen und gegenseitig helfen wir uns durchs Gestrüpp. Eskortiert werden wir den gesamten Weg von einem Straßenhund, der spontan entscheidet uns den ganzen Weg zu begleiten – wir taufen ihn Leemee. Wir schaffen es nicht ganz bis nach Sarankot, was mich daran zweifeln lässt, ob es die richtige Idee ist, am nächsten Tag auf eine 10-Tages-Wandertour zu gehen…

 

Never try… never know…

Die Schuhe leihe ich aus, kaufe noch schnell eine dickere Jacke (Original North Face *Räusper*), eine Wasserflasche und einen “Geh-Stock”… Auf einen Schlafsack verzichte ich, es wird schon genug Decken geben. In der letzten Minute schlendere ich im strömenden Regen zur Touristeninformation, um mir meinen Bergpass und die notwendigen Genehmigungen zu holen. (Für den Fall, dass ich sterbe, haben sie meinen Notfallkontakt, meine Unterschrift, dass ich mir dessen bewusst bin, die Kosten für die Bergung zu tragen und wissen ungefähr, wo ich bin.) Auf dem Weg lerne ich wieder einen Einheimischen kennen, der mich fragt, ob er mit unter meinen Schirm kommen kann. Die 15 Minuten Fußweg waren ein wenig merkwürdig mit einem Fremden unter einem Schirm – aber es hat nunmal geschifft wie Sau und ich bin ja generell eine nette Person…

Auf geht’s! Der Berg ruft!

Lange Rede kurzer Sinn, entgegen jeden Reden, dass man uuuunbedingt einen Guide und einen Gepäckträger (eine Person, nicht zu verwechseln mit dem auf dem Fahrrad) braucht, nehme ich meinen Rucksack und mache mich auf den Weg. Im Bus nach Nayapul, dem Start meiner Wanderung, treffe ich einen Italiener, eine Spanierin und eine Engländerin. Schwuppdiwupp habe ich Wanderfreunde für die nächsten drei Tage. Als Alleinreisender bist du niemals allein, es sei denn, du willst für dich sein. Auf dem Weg zum Poonhill dachte ich kurzzeitig ich muss sterben – 3.000 Stufen um 4 Uhr morgens – vor dem Frühstück! Aber es lohnt sich, die Aussicht ist der absolute Wahnsinn. Leider habe ich – wie auch immerdar passieren konnte – alle Fotos vom Poonhill verloren…

Nur, wo du zu Fuß warst, warst du wirklich…

An Tag 4 trennen sich die Wege meiner internationalen Truppe, da die anderen den Rückweg antreten und ich mich auf zum Annapurna Base Camp mache: 4.130 m – höher als die Zugspitze (2.962 m). Der Annapurna selbst ist übrigens der zehnthöchste Berg der Welt und über 8.000 Meter hoch. Warum ich nicht zum Mount Everest Basecamp gewandert bin? Er ist auch „nur“ 800 Meter höher und der Trek ist um Einiges länger und teurer… Und außerdem muss ich mir noch ein Ziel für das nächste Mal aufheben.

Wer will mich begleiten? Freiwillige vor…

Es ist die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe. Die Wanderung ist mein absolutes Highlight. Ich bin nun wirklich nicht vorbereitet, geschweige denn fit. Aber meiner Meinung nach ist Trekking eher Kopfsache als Fitness. Auf dem Weg zum ABC begegne ich immer wieder den gleichen Leuten – wir werden zu einer kleinen Familie, laufen, schwitzen, frieren, essen, spielen Karten zusammen. Einige haben einen Guide und einen sogenannten Porter und Andere wiederum laufen wie ich auf eigene Faust durch die Prärie..

Essen, Wandern, Schlafen, Wiederholen…

Auf dem Rückweg lege ich noch einen Wellness-Tag ein. Tai Chi zum Sonnenaufgang und anschließend Relaxen in den Hotsprings – das habe ich mir verdient wie ich finde. Und das Beste – alles for free.

 

Facts & Figures:

Trek: Poonhill & Annapurna Basecamp ohne Guide und ohne Porter
Wander-Tage: 10
Stunden: 4 – 9 pro Tag
Schritte: 246.000
Kilometer: 157 km
Ausgaben pro Tag: etwa 15 € in der Low Season mit gutem Verhandlungsgeschick
Höchster Punkt: 4.130 Meter (Annapurna Basecamp (ABC))
Neue Bekanntschaften: 27
Verletzungen: Keine
Körperpflege: stark vernachlässigt
Verluste: Shorts und Regenjacke

Vielen Dank für dieses atemberaubende Erlebnis… Nepal ist ein absolutes Highlight meiner Reise. Die Luft, die Landschaft, die Berge, die Tiere und die Menschen, die ich auf meiner Reise durch die Berge getroffen habe. Ihr wart wie eine Familie für mich! Ein Abenteuer der Extraklasse! Ich komme wieder – definitiv! Nepal = Never end Peace and Love

Nächster Stopp: Kaaaaaaappstaaaaaadt!!!!

Eine kunterbunte Reise durch Indien…

…ZWISCHEN HEIMWEH UND FERNSUCHT…

 

Gestern noch Vietnam, heute schon Indien. Nach ein paar Stunden über und zwischen den Wolken strande ich 8 Uhr morgens in meinem neuen Hostel in Goa. Ein Großteil der Leute ist NOCH wach… völlig gechillt und im Paradies ihrer selbst. Nachdem ich mich vor jedem neuem Ort immer umfangreich belese, habe ich natürlich gewusst, dass Goa – im Speziellen Vagator Beach – für seine Drogenszene bekannt ist. Ähhh nope… In nur zwei Tagen lerne ich alles, was man über Drogen wissen muss (und ich rede nicht von Gras). Man könnte es als eine Studienreise bezeichnen *Räusper*…

“Goa hat mich gefixt…” 

“Heute habe ich noch nichts eingeworfen, erst morgen wieder. Ich bin nicht abhängig…” 

“Ich hatte einen Blackout und weiß nicht mehr, wie ich nach Hause gekommen bin, aber ich hatte einen geilen Trip..”

 

Von Goa nach Mumbai. Nachdem ich beschlossen habe, kein „Junkie“ zu werden, mache ich ein 20-stündiges Nickerchen im Sleeper-Bus nach Mumbai (alt: Bombay). Der Bus ist besser, als ich dachte, denn das Bett – eine etwa 60 cm breit und 180 cm lange Pritsche ist zwar hart, aber gemütlicher als die Schlafbusse in Südostasien. Allerdings gestaltet sich das Reisen mit dem Bus in Indien für mich recht einsam. Ich bin die einzige „Weiße“ und Englisch spricht hier kaum jemand. Die Frauen sind traditionell im Sari gekleidet und der Großteil meiner Mitreisenden sind Männer. Dazu kommt, dass immer ein bisschen Angst mitschwingt, sich mit Männern zu unterhalten oder ihnen auch nur in die Augen zu sehen. Ich verstecke mich, nur keine Aufmerksamkeit erregen mit meiner Anwesenheit, meinem offensichtlichen “fremd sein”. Die Weiße, die die Sprache nicht spricht, die reich ist, die ein anderes – besseres Leben hat. Glücklicherweise kann ich mein „Abteil“ mit einem Vorhang zuziehen und kann so meine Privatsphäre genießen. Es dauert nicht lange und ich falle ins Land der Träume. Ab und an rüttelt mich die schlagartige Vollbremsung des Busfahrers wach – vermutlich eine Kuh auf der Straße – ich schlafe wieder ein.

Dreieinhalb Monate Südostasien härten ab…

In Mumbai angekommen, werde ich regelrecht erschlagen von Dreck, Lärm und Hektik der Stadt. Die Straßen sind überseht mit pausenlos hupenden Autos, Bussen, Motorrädern, Tuktuks und Menschen, die zwischen all dem Towabu essen, arbeiten und schlafen. Wo man bei uns ein- oder zwei Obdachlose am Bahnhof sieht, sind es hier Tausende – einfach überall! Zwischen Müllbergen kaum zu erkennen, befinden sich Wohn- und Schlaf-„Zimmer“, Küchen und „Toiletten“. Straßenränder und Fußwege dienen als Lebensraum für Mumbais Unterschicht. Wobei sich mir hier die Frage stellt, ob das nicht schon die obere Unterschicht ist. Schließlich „wohnen“ sie inmitten der Großstadt und haben Zugang zu Geld und Nahrung – auch wenn vielleicht erbettelt oder gestohlen… Hinter den „Straßen-Slums“ befinden sich „Gebäude“ oder besser Container, die der nächsthöheren Schicht als Dach über dem Kopf dienen – etwa 20 Quadratmeter große „Ein-Zimmer-Apartments“ für eine ganze Familie. Darunter ist oftmals ein Shop oder Restaurant zu finden. Im Hintergrund entstehen prachtvolle Bürogebäude und Hochhäuser mit Luxuswohnungen. Ein Unterschied wie Tag und Nacht…

Ich fühle mich schlecht dabei, „Weiß“ zu sein und in einer ganz anderen Welt mit ganz anderen Möglichkeiten aufgewachsen zu sein. Es ist nicht fair. Hier zählt, wo du geboren bist: Auf der Straße oder im eher westlich entwickelten Umfeld. In den meisten Augen sehe ich Traurigkeit. Wie können die Menschen auch glücklich und ausgelassen sein, wenn sie umgeben sind von Pech, Armut und Ungerechtigkeit.

In meinem Hostel angekommen, gibt mir der Bohrmaschinen-Lärm des Nachbarkomplexes noch den Rest. Abschalten kann ich hier nur schwer, ebenso wie Brodie – Australierin, die meine neue Reisebegleiterin in Mumbai wird. Gemeinsam beschließen wir das Hostel am nächsten Morgen zu wechseln sowie am Morgen darauf. Zwischendrin lassen wir uns vom Zauber Indiens Filmbranche berieseln. Jeden Tag ein anderer Bollywood-Streifen, leider ohne Untertitel – aber was soll’s kitschige Romantik versteht man auch ohne Text. Als wir das erste Mal in einem von Mumbais zahlreichen Kinos sind, kriegen sich Brodie und ich vor Lachen nicht mehr ein. Nach der Werbung steht der komplette Saal auf und singt die Nationalhymne – wir stehen in der ersten Reihe ganz vorne und können uns kaum beherrschen. Stellt euch mal vor, das würden wir in Deutschland machen…

Meine Zeit in Mumbai besteht aus täglichen Kinobesuchen – jeden Tag ein anderer Film, MCD, Starbucks und shoppen in riesigen Shopping-Centern. Ich schaffe es gerade  mein Tagesbudget von 30 € einzuhalten, währenddessen der Durchschnitt Indiens 2 Monate damit auskommen muss…

In unserem dritten Hostel lernen wir einen Einheimischen kennen, der uns die versteckten Highlights der Stadt zeigt. Er studiert BWL, macht gerade ein Praktikum und führt ein vergleichsweise westliches Leben. Er zeigt uns, wie man Metro fährt, wie wir zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten kommen und was sonst noch zu beachten ist in der Stadt mit den zwei Gesichtern.

Trotz der zwei Gesichter hat Mumbai etwas Magisches für mich… 

 

Traumhafter Ausblick zum Teilen… Ich würde gerne noch in Mumbai bleiben, aber es zieht mich weiter. Nächster Halt ist Udaipur. Ich bin wieder einmal die einzigste Ausländerin im Bus und damit eine Art Attraktion. Langsam gewöhne ich mich daran, ständig angestarrt zu werden… Rausgeschmissen werde ich kurz vor Udaipur. Die Tuktuk-Fahrer reiben sich schon die Hände (wortwörtlich), als sie mich sehen. Nach reichlichen Diskussionen bezahle ich zumindest kein Vermögen für eine Fahrt von dreieinhalb Kilometern bis zu meinem Hostel. Die Stadt und das Zostel (eine stylische Hostel-Kette in Indien) sind traumhaft. Ich habe ein Vierbettzimmer für mich alleine und die Dachterrasse ist der absolute Hammer. Der einzige Haken: Ich bin fast der einzige Gast und fühle mich ein bisschen einsam. Deshalb beschließe ich nur eine Nacht zu bleiben.

 

Am nächsten Tag geht’s in die Hauptstadt. Ich freue mich schon tierisch. Die Busfahrt dauert um die 20 Stunden. Dieser Bus ist der Schäbigste, den ich je hatte – ok, auch der Günstigste… Es kann ja wieder nicht günstig genug sein. Ich bin die Erste und vorerst Einzigste im Bus. Der Busfahrer findet das besonders toll und geht direkt auf Tuchfühlung… Ich bin so freundlich abweisend wie ich nur kann – mein Spezialgebiet! Er gibt mir trotzdem seine Nummer – wofür auch immer… In der Pause führt er mich dann in eine dunkle Gasse, bis es mir zu viel wird. Er meint doch tatsächlich, dass ich mich in eine dreckige dunkle Ecke hocke… Ich sage in einem fast aggressiven Ton „Stopp“!!!! Raus aus der Gasse stößt ein zugegeben gut aussehender Typ dazu und beide zusammen begeben sich auf die Suche einer Toilette für mich. Und tadaaa – 20 Meter weiter befindet sich ein offizielles Loch im Boden – mit Tür! Beide warten vor der Tür auf mich und begleiten mich zurück zum Bus. Eine sogenannte Klo-Escorte…

Der Stargast ist fertig und es kann weiter gehen…

In der nächsten Pause werde ich wieder vom Busfahrer belagert: Wo kommst du her? Fliegst du von Neu Delhi wieder nach Hause? Bist du verheiratet? (das war vermutlich die erste Frage, die er stellen wollte)… Gott sei Dank habe ich mich schon in Vietnam darauf vorbereitet. Ich zeige ihm meinen Ehering, wobei er es mir scheinbar nicht abkauft – oder es ist ihm egal. Ich flüchte in den Bus und haue mich aufs Ohr. Scheinbar haben die Busfahrer nun gewechselt, da der Aufdringliche nun ungefragt alle zwei Stunden meine Schlafkabine öffnet und mir irgendetwas anbieten will… Ich bin froh, wenn ich endlich in New Delhi ankomme.

“Keep going! Difficult Roads often lead to beautiful destinations.” 

Brodie hat mir ein Top-Hostel empfohlen. Das Madpackers im Südosten New Delhis. Der Bus setzt mich mal wieder am Arsch der Welt ab. Ich sehe es gar nicht ein für ein Taxi zu bezahlen. Ich rufe maps.me (Die App, die mir das Reisen wahnsinnig vereinfacht!) auf und mache mich mit Sack und Pack auf dem Weg zum Hauptbahnhof. 45 Minuten durch das Bahnhofsviertel ist ein neuer Kulturschock. Ich sehe ausschließlich Männer, die sich auf den Straßen waschen, umziehen, essen, arbeiten und mich anstarren, ansprechen und ansonsten nicht wirklich viel zu tun zu haben scheinen. Ich bin mal wieder Hauptmittelpunkt der Einheimischen. Zeitgleich sehe ich Senioren, die riesige Wägen mit Reis & Co hinter sich herziehen.

Ich fühle mich 50 Jahre zurückversetzt… 

Die richtige Metro habe ich schnell gefunden, quetsche mich in den Ladies Coach (in Indien gibt es Abteile nur für Frauen – Gott sei Dank, denn diese sind meistens nur halb so voll). Durchgeschwitzt und völlig fertig bin ich gegen 9 Uhr morgens im Hostel angekommen. 14 Uhr kann ich dann auch endlich einchecken und lege mich aufs Ohr.

Das Hostel ist der absolute Wahnsinn – so viele interessante Menschen hier – Personal wie auch Reisende. Jeder Tag ist ein Erlebnis und Indien wird für mich gleich viel schöner. 45 Grad Außentemperatur machen es allerdings fast unmöglich tagsüber vor die Tür zu gehen. Und nachts ist es zu gefährlich.  Daher bleibt mir nichts anderes übrig. Ich stelle mir vor, ich bin in einer Sauna und lass es einfach laufen…

Nach zwei Wochen wird es mir dann aber doch zu heiß und ich flüchte zum kleinen Bruder: Nepal..