How is it going?

HÄNGEN GEBLIEBEN IN NEUSEELAND

Hey guys, how is it going? How are you? Vor nicht allzu langer Zeit habe ich mich über diese für mich sinnfreien Fragen noch aufgeregt, heute sage ich sie jeden Tag…

Wie es mir geht? Blendend! 

Mein Haus.

meinhaus
Zugegeben, nicht Meins – wäre auch zu schön…

 

Mein Auto.

meinauto
Oder besser gesagt, ein Teil davon. Die Landschaft ist dann doch schöner…

 

Mein Board. 

auchmeinboard
Und naja , hier bin nur ich im Schnee, mein Board wartet hinter der Kamera…

 

Ich bin irgendwie in Neuseeland hängen geblieben. Mit einem Rucksack im Handgepäck bin ich hier am 5. August 2017 in Queenstown angekommen. Ich hatte keine großen Erwartungen. Nur eins: Auspacken und für ein Weile nicht mehr einpacken müssen. Und eins kann ich verraten: Das hat sehr gut geklappt. 

Ich besitze mittlerweile ein bisschen mehr als nur ein Handgepäckstück. Wenn ich Neuseeland verlassen muss, bin ich am Arsch! Was kann ich mitnehmen und was muss bleiben? Darüber habe ich mir in den letzten Wochen und Monaten sehr viele Gedanken gemacht. Mein Work & Travel Visum gilt für ein Jahr – 365 Tage. Die habe ich bereits überschritten – und bin immer noch hier! Gott sei Dank! 

Diese eine Entscheidung hat mich verdammt viele Nerven gekostet. Soll ich bleiben? Soll ich gehen? Wie kann ich bleiben? Wohin soll ich gehen? Habe ich noch genug Zeit oder werde ich rausgeschmissen? Eine Achterbahn der Gefühle! Erste Reihe!

Ich könnte einen ganzen Blog-Beitrag nur über diesen Entscheidungs-Prozess schreiben. Einige wissen, wovon ich spreche. Sorry! Sorry für die Zeit, in denen ich euch so viele Nerven geraubt habe.

ABER: Alea iacta es – ich weiß nicht mehr viel von meinem Schul-Latein, aber dass die Würfel gefallen sind, das weiß ich… Und das ist auch gut so. Mit meinem neuen Visum in der Tasche kann ich mich morgen wieder in mein Snowboard-Outfit schmeißen und den Winter in Neuseeland so richtig auskosten.

Heute sind es schon 577 Tage…  Ja, ich zähle immer noch, auch wenn ich schon seit über einem Jahr meine Sachen nicht mehr gepackt habe. Ok, das ist gelogen, aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr…

 

365 Tage…

9 LÄNDER, 25 STEMPEL UND UM DIE 365 INSTAGRAM-BILDER

Ich weiß gar nicht, ob ich “365 Tage schon” oder “erst” sagen soll… Die Tage vergehen wie im Flug und ich habe so viel erlebt, wie ich wahrscheinlich in meinem ganzen bisherigen Leben nicht erlebt habe.

Genau vor einem Jahr, am 17. Januar 2017 bin ich in Dresden am Flughafen gestartet. Ich habe mir geschworen beim Abschied nicht zu weinen. Und tatsächlich habe ich es bis zur Sicherheitskontrolle geschafft, ohne nur eine Träne zu vergießen.. Man, war ich stolz auf mich!!! Am Gate habe ich mir ein ruhiges Plätzchen gesucht und plötzlich sehe ich gegenüber meine Mu und meine Schwester hinter einer Glasscheibe stehen… Didimmmm…

IMG_3304.JPG#tränenmeer #endstation #neuseeland #lieblingsplatz #waswillichmeer #sunsetwatching

Aus Thailand, Malaysia, Indonesien, Neuseeland, Südafrika, Argentinien, Brazilien, Mexiko und Australien wurde (bis jetzt) Thailand, Laos,Vietnam, Indien, Nepal, Südafrika, Lesotho, wieder zurück nach Südafrika, Indonesien und Neuseeland.  Auch neun Länder, nur eben Andere… War ja klar, dass sich meine Route ändern wird – genauso wie die geplante Länge meiner Reise. “Weihnachten bin ich wieder zurück…”. Hatte ich gesagt, welches Jahr?!

DeFinItIV dIe bEsTe EnTscHeIduNG meINes LeBenS!!!

Die Drakensberge

 

SPONTAN INS NÄCHSTE LAND GESTOLPERT…

Auch wenn es mir schwerfällt, Ballito und vor allem den Strand zu verlassen, zieht es mich doch weiter – dieses Mal in die Berge – genauer gesagt: Die Drakensberge. Schon der Weg dahin ist laaaang, aber vielversprechend. Nach etwa 8 Stunden Fahrt, total kaputt, kommen Vicki und ich endlich im Amphitheatre an. Die Dorms sind bereits ausgebucht, macht aber nichts –  wir nehmen ein Zweibettzimmer. Endlich wieder WLAN, ein Terrasse nur für uns, die Küche in der Hütte gegenüber und das Badezimmer ist auch nur etwa 30 Meter entfernt. Da das Personal mehr auf Pauschaltouristen statt auf Individualreisende ausgerichtet ist und die Preise ziemlich überteuert sind, beschließen wir nach zwei Nächten chillen auf eigene Faust nach Lesotho zu fahren.

The Kingdom in the Sky („Das Königreich im Himmel“)

Geographie war nie mein Lieblingsfach, was dem langweiligen Lehrplan und sorry – den nicht wirklich kreativen Lehrern zu verschulden ist. Wir sollten eine Weltreise mit in den Lehrplan aufnehmen, liebes Bildungsministerium… 😉

Ich jedenfalls habe zuvor noch nie etwas von Lesotho gehört. Zugegeben, das Land ist von Südafrika umschlossen und so winzig wie Belgien. Es hat gerade einmal so viele Einwohner wie München und Erding zusammen (= 2 Mio; zum Vergleich: Belgien hat 11 Mio Einwohner). Zudem liegt Lesotho verdammt weit oben: 1400 – 3500 Höhenmeter, was den Spitznamen erklärt. Es ist eine ganz andere Welt hier oben …

… wie eine Reise in die Vergangenheit …

Dafür gibts auch gleich einen neuen Stempel in den Pass – oder besser gesagt Vier: Ausreise aus Südafrika, Einreise nach Lesotho und das Ganze umgekehrt. Ob wir mit dem Leihauto überhaupt das Land verlassen dürfen? Keine Ahnung – nur passieren sollte uns wohl besser nix im Königreich …

Dieses Mal sucht Vicki die Unterkunft aus – die Malealea Lodge soll es sein. Tiiief durchatmen, Sara – denn die Lodge ist am Arsch der Welt – die Straßen, oder sagen wir eher Schotterpisten der reinste Horror. Wenn wir hier stecken bleiben, dann findet uns niemand und wenn, kann die Person sicher kein Englisch… aber gut, ich bin ja für jedes Abenteuer zu haben. Gemeinsam rollen wir mit 20 km/h nach Malealea…

Neues Land, neue Währung, neues Mobilfunknetz (das heißt, kein Internet), neue Sprache, neue Sitten… Am Arsch der Welt gibt’s natürlich auch kein gescheites WLAN (3 € pro 100 MB), Strom gibt’s nur bis 22 Uhr in der Bar, Wasserkocher, Toaster, Haartrockner und Co. sind strengstens verboten und ach ja – Einkaufsmöglichkeiten sind mit einem Tagesausflug verbunden. Aber ey – irgendwie auch cool so ganz ohne alles. Vicki und ich nehmen uns gemeinsam eine Hütte. Zwei Betten, ein Nachttisch und eine Kerze – mehr hat hier nicht Platz.

„Die Steigerung von Leben heißt: Erleben“
Erich Limpach

Ausgeruht und ausgeschlafen machen wir am nächsten Tag eine achtstündige Wanderung mit einem einheimischen Wanderführer – ohne darf man hier nicht los. Zu dritt durch die Weiten Lesothos – bei Sonnenschein und blauem Himmel bergauf und ab. Traumhaft… Tomes – ich glaub so oder so ähnlich hieß unser Guide – durchlöchern wir mit Fragen über Sitten und Bräuche. Er ist Mitte Zwanzig und lebt ein Leben wie es unterschiedlicher nicht sein könnte. Nach etwa 5 Stunden treffen wir das erste Mal auf eine Gruppe Wanderer – seltsam bunt gekleidet wirken diese Passanten eher wie reiche Städter, die eher nicht so aussehen als hätten sie die Wanderung geplant. Tomes erzählt uns nachher, dass dies Mitglieder des Parlaments sind, die sich hier ein Bild der Einheimischen machen wollen… Echte Promis… und wir keine Fotos…

Auf dem Weg zurück in die Zivilisation fängt plötzlich das Auto an zu qualmen – Shit! Kein Google zur Hand, weit und breit niemand zu sehen, die Motorhaube lässt sich nicht öffnen und im Handbuch steht auch nichts Brauchbares… Na toll, zwei Blondinen, ein qualmendes Auto und das ganze auch noch am Arsch der Welt… Ok, Ruhe bewahren.. Wir lassen einfach das Auto etwas abkühlen und fahren dann langsam weiter…

… Das klingt nach einem Plan!

Kaaaaaapstaaaaaaadt!!!

Welcome

…WELCOME TO THE MOTHER CITY…

Rein in in den Luxus-Flieger  (By the way Qatar Airways kann ich absolut empfehlen und ist ganz oben auf meiner Liste, direkt nach Emirates. Ich habe ganz vergessen zu Schlafen bei der riesigen Filmauswahl) und ab auf den nächsten Kontinent! Nach insgesamt 24 Stunden begrüßt mich auch schon die “mother city“ (Mutterstadt) Cape Town (Kapstadt)…

Nachdem ich meine ersten beiden Tage in Kapstadt Schlaf nachgeholt habe, begebe ich mich auf erste Erkundungstour. Uuuunnnnd schon nach den ersten 150 Metern fragt mich eine Gruppe junger Mädchen, ob sie ein Foto mit mir haben können… und ich dachte das hat endlich ein Ende… In Südafrika bin ich nun wirklich nix Besonderes. Hier geben sich alle Nationen die Hand. Was solls…

12 Tage verbringe ich in Kapstadt und ich könnte noch mindestens 12 Tage dranhängen.. Kapstadt ist einfach genial.

Man kann hier unendlich viel unternehmen, sehr gut essen, lernt super einfach Leute kennen, kann Feiern bis zum Umfallen und aufgrund der noch sehr jungen Geschichte dieser Stadt/ dieses Landes gibt es so viel zu Bestaunen.

Hier kannst du an sogenannten Free Walking Touren (basieren auf Trinkgeld/Spenden-Basis, haben ihren Ursprung passender Weise in Berlin und gibt es mittlerweile in vielen Metropolen der Welt, was ich später erfahre) teilnehmen. Ich habe gleich drei Verschiedene mitgemacht. Die erste war mein Favorit:

The Apartheid to Freedom Tour: Warum sieht man hier so viele gut aussehende Blondinen? Warum sitzen in den Cafés und Restaurants nur Weiße, während die Schwarzen bedienen? Das ist schon irgendwie strange (zu dt.: seltsam)… Wir leben schließlich im 21. Jahrhundert. Erst seit 1994 ist die Rassentrennung hier offiziell Geschichte, aber es ist noch ein langer Weg bis es auch tatsächlich Geschichte ist. In den Stadtzentren wohnen hauptsächlich die wohlhabenden “Weißen” und außerhalb in sogenannten Townships leben die “Schwarzen” in Blech- oder Holzhütten. Ich sollte an diese Bild von Indien gewöhnt sein, aber hier ist es irgendwie anders. In der “mother city” ist die Hautfarbe – also das Aussehen – ausschlaggebend.

“We all pee the same colour.”
(Zitat aus “Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen”. Den Film habe ich mir im Flieger auf dem Weg nach Südafrika angesehen, sehr zu empfehlen und das Zitat irgendwie treffend.)

Eine kunterbunte Reise durch Indien…

…ZWISCHEN HEIMWEH UND FERNSUCHT…

 

Gestern noch Vietnam, heute schon Indien. Nach ein paar Stunden über und zwischen den Wolken strande ich 8 Uhr morgens in meinem neuen Hostel in Goa. Ein Großteil der Leute ist NOCH wach… völlig gechillt und im Paradies ihrer selbst. Nachdem ich mich vor jedem neuem Ort immer umfangreich belese, habe ich natürlich gewusst, dass Goa – im Speziellen Vagator Beach – für seine Drogenszene bekannt ist. Ähhh nope… In nur zwei Tagen lerne ich alles, was man über Drogen wissen muss (und ich rede nicht von Gras). Man könnte es als eine Studienreise bezeichnen *Räusper*…

“Goa hat mich gefixt…” 

“Heute habe ich noch nichts eingeworfen, erst morgen wieder. Ich bin nicht abhängig…” 

“Ich hatte einen Blackout und weiß nicht mehr, wie ich nach Hause gekommen bin, aber ich hatte einen geilen Trip..”

 

Von Goa nach Mumbai. Nachdem ich beschlossen habe, kein „Junkie“ zu werden, mache ich ein 20-stündiges Nickerchen im Sleeper-Bus nach Mumbai (alt: Bombay). Der Bus ist besser, als ich dachte, denn das Bett – eine etwa 60 cm breit und 180 cm lange Pritsche ist zwar hart, aber gemütlicher als die Schlafbusse in Südostasien. Allerdings gestaltet sich das Reisen mit dem Bus in Indien für mich recht einsam. Ich bin die einzige „Weiße“ und Englisch spricht hier kaum jemand. Die Frauen sind traditionell im Sari gekleidet und der Großteil meiner Mitreisenden sind Männer. Dazu kommt, dass immer ein bisschen Angst mitschwingt, sich mit Männern zu unterhalten oder ihnen auch nur in die Augen zu sehen. Ich verstecke mich, nur keine Aufmerksamkeit erregen mit meiner Anwesenheit, meinem offensichtlichen “fremd sein”. Die Weiße, die die Sprache nicht spricht, die reich ist, die ein anderes – besseres Leben hat. Glücklicherweise kann ich mein „Abteil“ mit einem Vorhang zuziehen und kann so meine Privatsphäre genießen. Es dauert nicht lange und ich falle ins Land der Träume. Ab und an rüttelt mich die schlagartige Vollbremsung des Busfahrers wach – vermutlich eine Kuh auf der Straße – ich schlafe wieder ein.

Dreieinhalb Monate Südostasien härten ab…

In Mumbai angekommen, werde ich regelrecht erschlagen von Dreck, Lärm und Hektik der Stadt. Die Straßen sind überseht mit pausenlos hupenden Autos, Bussen, Motorrädern, Tuktuks und Menschen, die zwischen all dem Towabu essen, arbeiten und schlafen. Wo man bei uns ein- oder zwei Obdachlose am Bahnhof sieht, sind es hier Tausende – einfach überall! Zwischen Müllbergen kaum zu erkennen, befinden sich Wohn- und Schlaf-„Zimmer“, Küchen und „Toiletten“. Straßenränder und Fußwege dienen als Lebensraum für Mumbais Unterschicht. Wobei sich mir hier die Frage stellt, ob das nicht schon die obere Unterschicht ist. Schließlich „wohnen“ sie inmitten der Großstadt und haben Zugang zu Geld und Nahrung – auch wenn vielleicht erbettelt oder gestohlen… Hinter den „Straßen-Slums“ befinden sich „Gebäude“ oder besser Container, die der nächsthöheren Schicht als Dach über dem Kopf dienen – etwa 20 Quadratmeter große „Ein-Zimmer-Apartments“ für eine ganze Familie. Darunter ist oftmals ein Shop oder Restaurant zu finden. Im Hintergrund entstehen prachtvolle Bürogebäude und Hochhäuser mit Luxuswohnungen. Ein Unterschied wie Tag und Nacht…

Ich fühle mich schlecht dabei, „Weiß“ zu sein und in einer ganz anderen Welt mit ganz anderen Möglichkeiten aufgewachsen zu sein. Es ist nicht fair. Hier zählt, wo du geboren bist: Auf der Straße oder im eher westlich entwickelten Umfeld. In den meisten Augen sehe ich Traurigkeit. Wie können die Menschen auch glücklich und ausgelassen sein, wenn sie umgeben sind von Pech, Armut und Ungerechtigkeit.

In meinem Hostel angekommen, gibt mir der Bohrmaschinen-Lärm des Nachbarkomplexes noch den Rest. Abschalten kann ich hier nur schwer, ebenso wie Brodie – Australierin, die meine neue Reisebegleiterin in Mumbai wird. Gemeinsam beschließen wir das Hostel am nächsten Morgen zu wechseln sowie am Morgen darauf. Zwischendrin lassen wir uns vom Zauber Indiens Filmbranche berieseln. Jeden Tag ein anderer Bollywood-Streifen, leider ohne Untertitel – aber was soll’s kitschige Romantik versteht man auch ohne Text. Als wir das erste Mal in einem von Mumbais zahlreichen Kinos sind, kriegen sich Brodie und ich vor Lachen nicht mehr ein. Nach der Werbung steht der komplette Saal auf und singt die Nationalhymne – wir stehen in der ersten Reihe ganz vorne und können uns kaum beherrschen. Stellt euch mal vor, das würden wir in Deutschland machen…

Meine Zeit in Mumbai besteht aus täglichen Kinobesuchen – jeden Tag ein anderer Film, MCD, Starbucks und shoppen in riesigen Shopping-Centern. Ich schaffe es gerade  mein Tagesbudget von 30 € einzuhalten, währenddessen der Durchschnitt Indiens 2 Monate damit auskommen muss…

In unserem dritten Hostel lernen wir einen Einheimischen kennen, der uns die versteckten Highlights der Stadt zeigt. Er studiert BWL, macht gerade ein Praktikum und führt ein vergleichsweise westliches Leben. Er zeigt uns, wie man Metro fährt, wie wir zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten kommen und was sonst noch zu beachten ist in der Stadt mit den zwei Gesichtern.

Trotz der zwei Gesichter hat Mumbai etwas Magisches für mich… 

 

Traumhafter Ausblick zum Teilen… Ich würde gerne noch in Mumbai bleiben, aber es zieht mich weiter. Nächster Halt ist Udaipur. Ich bin wieder einmal die einzigste Ausländerin im Bus und damit eine Art Attraktion. Langsam gewöhne ich mich daran, ständig angestarrt zu werden… Rausgeschmissen werde ich kurz vor Udaipur. Die Tuktuk-Fahrer reiben sich schon die Hände (wortwörtlich), als sie mich sehen. Nach reichlichen Diskussionen bezahle ich zumindest kein Vermögen für eine Fahrt von dreieinhalb Kilometern bis zu meinem Hostel. Die Stadt und das Zostel (eine stylische Hostel-Kette in Indien) sind traumhaft. Ich habe ein Vierbettzimmer für mich alleine und die Dachterrasse ist der absolute Hammer. Der einzige Haken: Ich bin fast der einzige Gast und fühle mich ein bisschen einsam. Deshalb beschließe ich nur eine Nacht zu bleiben.

 

Am nächsten Tag geht’s in die Hauptstadt. Ich freue mich schon tierisch. Die Busfahrt dauert um die 20 Stunden. Dieser Bus ist der Schäbigste, den ich je hatte – ok, auch der Günstigste… Es kann ja wieder nicht günstig genug sein. Ich bin die Erste und vorerst Einzigste im Bus. Der Busfahrer findet das besonders toll und geht direkt auf Tuchfühlung… Ich bin so freundlich abweisend wie ich nur kann – mein Spezialgebiet! Er gibt mir trotzdem seine Nummer – wofür auch immer… In der Pause führt er mich dann in eine dunkle Gasse, bis es mir zu viel wird. Er meint doch tatsächlich, dass ich mich in eine dreckige dunkle Ecke hocke… Ich sage in einem fast aggressiven Ton „Stopp“!!!! Raus aus der Gasse stößt ein zugegeben gut aussehender Typ dazu und beide zusammen begeben sich auf die Suche einer Toilette für mich. Und tadaaa – 20 Meter weiter befindet sich ein offizielles Loch im Boden – mit Tür! Beide warten vor der Tür auf mich und begleiten mich zurück zum Bus. Eine sogenannte Klo-Escorte…

Der Stargast ist fertig und es kann weiter gehen…

In der nächsten Pause werde ich wieder vom Busfahrer belagert: Wo kommst du her? Fliegst du von Neu Delhi wieder nach Hause? Bist du verheiratet? (das war vermutlich die erste Frage, die er stellen wollte)… Gott sei Dank habe ich mich schon in Vietnam darauf vorbereitet. Ich zeige ihm meinen Ehering, wobei er es mir scheinbar nicht abkauft – oder es ist ihm egal. Ich flüchte in den Bus und haue mich aufs Ohr. Scheinbar haben die Busfahrer nun gewechselt, da der Aufdringliche nun ungefragt alle zwei Stunden meine Schlafkabine öffnet und mir irgendetwas anbieten will… Ich bin froh, wenn ich endlich in New Delhi ankomme.

“Keep going! Difficult Roads often lead to beautiful destinations.” 

Brodie hat mir ein Top-Hostel empfohlen. Das Madpackers im Südosten New Delhis. Der Bus setzt mich mal wieder am Arsch der Welt ab. Ich sehe es gar nicht ein für ein Taxi zu bezahlen. Ich rufe maps.me (Die App, die mir das Reisen wahnsinnig vereinfacht!) auf und mache mich mit Sack und Pack auf dem Weg zum Hauptbahnhof. 45 Minuten durch das Bahnhofsviertel ist ein neuer Kulturschock. Ich sehe ausschließlich Männer, die sich auf den Straßen waschen, umziehen, essen, arbeiten und mich anstarren, ansprechen und ansonsten nicht wirklich viel zu tun zu haben scheinen. Ich bin mal wieder Hauptmittelpunkt der Einheimischen. Zeitgleich sehe ich Senioren, die riesige Wägen mit Reis & Co hinter sich herziehen.

Ich fühle mich 50 Jahre zurückversetzt… 

Die richtige Metro habe ich schnell gefunden, quetsche mich in den Ladies Coach (in Indien gibt es Abteile nur für Frauen – Gott sei Dank, denn diese sind meistens nur halb so voll). Durchgeschwitzt und völlig fertig bin ich gegen 9 Uhr morgens im Hostel angekommen. 14 Uhr kann ich dann auch endlich einchecken und lege mich aufs Ohr.

Das Hostel ist der absolute Wahnsinn – so viele interessante Menschen hier – Personal wie auch Reisende. Jeder Tag ist ein Erlebnis und Indien wird für mich gleich viel schöner. 45 Grad Außentemperatur machen es allerdings fast unmöglich tagsüber vor die Tür zu gehen. Und nachts ist es zu gefährlich.  Daher bleibt mir nichts anderes übrig. Ich stelle mir vor, ich bin in einer Sauna und lass es einfach laufen…

Nach zwei Wochen wird es mir dann aber doch zu heiß und ich flüchte zum kleinen Bruder: Nepal..

Alles weg…

… … …

Mein Morgen war überwältigend. Meine Klingel hat nicht mehr still gestanden (etwas übertrieben dargestellt). Dank Mellys Facebook Posts sind etwa 20 Leute zu meinem Wohnungs-Flohmarkt gekommen und haben gekauft, was das Zeug hält. Alle waren gut drauf und es lief einfach super!

Der Plan war 97 % meines Besitzes  zu verkaufen. Er ging auf. Ich kann es kaum glauben. Er ging auf!

Vielen Dank liebste und tollste und größte und allerbeste Melly – du bist einfach der absolute hammermäßige Wahnsinn :*

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Gekauft am 13.09.2014. Verkauft am 14.01.2017: Du hast mir stets die Wärme geschenkt, die ich gebraucht habe. Gemeinsam sind wir durch dick und dünn gegangen. Auch Risse haben meiner Liebe zu dir keinen Abbruch getan. Ich werde noch lange an unsere gemeinsamen Erlebnisse zurück denken. Doch nun ist die Zeit gekommen, für jemand anderen da zu sein…

 

Der Weg zum Minimalisten…

… IST SCHWER, ABER FÜHLT SICH VERDAMMT GUT AN!

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Seit November hat sich so viel getan. 90 % meines Besitzes gehören nun Anderen – ebenfalls Ebay Kleinanzeigen-Süchtigen 😉 Und das waren so lustige, interessante und spannende Leute und Begegnungen. Die Erfahrung kann ich nur empfehlen – kauft und verkauft auf Ebay oder generell online. A moards Gaudi!

Ich hätte am Liebsten Fotos von allen Käufern mit ihren Errungenschaften gemacht. Von der typischen Flohmarkt-Tante, die am liebsten alles für je einen Euro gekauft hätte, zu total netten Nachbarn, die so nahe wohnen und ich bisher noch nie gesehen habe, Flüchtlinge, die so viel gekauft haben, dass es jetzt vermutlich bei ihnen aussieht wie bei mir zu Hause, bis hin zur jungen Familie, die sich ihre erste Wohnung neu einrichtet. Ich kann gar nicht alle aufzählen, weil es einfach zu Viele waren. Damit habe ich schon jetzt einen kleinen Einblick in andere Kulturen und Menschen gewinnen können und diverse Tipps zur Selbstverteidigung, Medikamenten, Essen, besonderen Reisezielen und Erfahrungen bekommen.

Und wie schaut’s aktuell bei mir aus? Naja, was soll ich sagen – leer! In meinem Schlafzimmer steht eine Luftmatratze und ein Koffer, der mit Klamotten überquillt. In meinem Badezimmer liegt ein Haufen kleiner Drogerie-Artikel wild durcheinander verteilt. In meiner Küche steht ein kleiner Ofen, umrahmt von Pappbechern und -tellern, Topflappen und diversen Verpackungsmaterial. Als Kühlschrank dient der Balkon – Gott sei Dank ist Winter. Und in meinem Wohnzimmer stehen 3 Kleiderstangen mit Klamotten, Schuhe, Taschen, Tücher sowie Töpfe, Schüsseln, Körbe, Bilderrahmen, vertrocknete Pflanzen (außer die große Kunstpflanze, die dem Wohnzimmer noch ein wenig das „Wohn“ im Namen verleiht) und meine Balkonmöbel – bestückt mit Papierkram, der schwer nach Arbeit aussieht, was wohl an der Steuererklärung liegt, die ich schon einige Tage vor mir her schiebe. Weitere Fotos erspare ich euch lieber.

Bin ich aufgeregt? Nervös? Momentan habe ich noch gar keine Zeit, darüber nachzudenken. Es ist noch so viel zu tun und in 4 Tagen geht es schon los! Ahhh – dezente Panik steigt auf…

7 % meines Besitzes müssen noch verteilt werden und dann kann es endlich los gehen.

„Gib alles, nur nicht auf!
Es gibt immer einen, der an dich glaubt.
Gib alles, nur nicht auf! Es geht immer weiter.
Lauf, Baby, lauf!“
(Lauf Baby lauf von Tay Schmedtmann)